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Die Biotopkartiergruppe Filderstadt

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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Juli 2020: Die Gelbbauchunke ( Bombina variegata )

Gelbbauchunke

Beeinflusst durch "Unkerich" aus den Salamander-Heftchen meiner Kindheit, stellte ich mir eine Unke immer groß und dick vor. Die Gelbbauchunke misst jedoch nur etwa fünf Zentimeter. Trotzdem ist sie außergewöhnlich und faszinierend. Von oben sieht sie auf den ersten Blick aus wie eine kleine Erdkröte, nämlich unauffällig braun mit kleinen Warzen. Ihre Unterseite jedoch ist leuchtend schwarz-gelb gezeichnet. Bei jedem Tier ist dabei das Farbmuster anders, so dass sie individuell unterschieden werden können. Ihre Pupillen sind nicht einfach nur rund oder geschlitzt, nein, sie sind herzförmig.

Die Gelbbauchunke gehört zu den Froschlurchen (Anura) und lebt im Offenland mit einem Mosaik aus feuchten und trockeneren Bereichen, meist mit Nähe zum Wald. Sie ist eine Pionierart, das bedeutet, zur Fortpflanzung besiedelt sie gern neu entstandene Kleingewässer wie Pfützen, Wildschweinsuhlen oder auch wassergefüllte Wagenspuren. Der große Vorteil hierbei ist, dass in solchen Wasseransammlungen noch kaum Räuber wie z. B. Libellenlarven oder Wasserkäfer vorhanden sind, die dem Nachwuchs gefährlich werden können.
Je nach Witterung werden die Gewässer im März oder April aufgesucht. Die Männchen zeigen durch zarte, melodische "uh"-Rufe ihre Anwesenheit an. Ihre Reviere von etwa einem Viertel Quadratmeter werden durch Wasserwellen markiert, die sie mit ihren Hinterbeinen erzeugen. Es kann sein, dass sie wochenlang auf ein Weibchen warten müssen. In der Zeit schwimmen sie auf alles zu, was sich bewegt - es könnte ja die heiß ersehnte Partnerin sein. Das Männchen umklammert dann mit seinen extra starken Armen das Weibchen im Lendenbereich und lässt es nicht mehr los. Verhornungen an Unterarmen und Fingern verhindern ein Abrutschen. Der Laich wird als kleine Klumpen mit jeweils etwa 10 bis 20 Eiern an Halmen oder anderen Strukturen im Wasser befestigt.

Gelbbauchunken können sich den ganzen Sommer über fortpflanzen, dabei wechseln sie zwischen den einzelnen Laichphasen gelegentlich das Gewässer. Das ist sinnvoll, da Kleingewässer immer wieder austrocknen. Somit ist nicht der ganze Nachwuchs verloren. Es werden sonnenbeschienene Pfützen bevorzugt, die sich schnell erwärmen. Daher geht die Entwicklung zügig und erste Jungunken lassen sich bereits Mitte Juni entdecken. Am Ende des Sommers verlassen auch die Alttiere endgültig das Wasser. Überwintert wird meistens unter Wurzeln, Steinhaufen und ähnlichem. Unken jagen in der Dämmerung, aber auch tagsüber alles was sich bewegt und in den Mund passt. Zur Not wird mit den Vorderfüßen nachgestopft. Die Larven ernähren sich von organischen Zerfallsprodukten am Gewässergrund.Die Gelbbauchunke kann 20 Jahre alt werden.

Was sagt uns die schwarz-gelbe Bauchfarbe? Genau, sie warnt vor dem Gift, das die Unke aus ihren Hautdrüsen absondern kann. Beim Menschen reizt es die Schleimhäute. Potentiellen Fressfeinden wie Igel oder Ringelnatter, verdirbt es oft den Appetit. Kaulquappen und Jungunken können noch kein Gift produzieren und werden von Wasserkäfern, räuberischen Larven, Molchen, Vögeln und vielen anderen erbeutet.
Wird eine Gelbbauchunke an Land erschreckt, macht sie ein Hohlkreuz und biegt den Vorder- und Hinterteil des Körpers wie eine Hutkrempe nach oben, so dass die Warnfarbe sichtbar wird (Kahnstellung).

Rund ein Drittel der bekannten Weltpopulation der Gelbbauchunke lebt in Deutschland. Trotz des Schutzes dieser stark gefährdeten Art gehen ihre Vorkommen weiter zurück. Gefährdet ist die Gelbbauchunke -wie all unsere Amphibien- vor allem durch den Verlust ihrer Lebensräume durch Siedlungs-und Straßenbau, Intensivierung der Bodennutzung und nicht zuletzt der Klimaerwärmung, die zur frühzeitigen Austrocknung der Laichpfützen führt.

Gelbbauchunken wandern auf der Suche nach neuen Gewässern meist nur ein paar hundert Meter weit. Sie sind darauf angewiesen, dass in erreichbarer Nähe immer wieder neue Wasseransammlungen entstehen. Unser Filderstädter Förster Herr Hellstern hat in vorbildlichster Weise entlang von Gräben solche Wasserstellen geschaffen, die von den Unken sehr gut angenommen werden.

Bleibt zu hoffen, dass dies Schule macht und die kleine Unke mit den Herzchen in den Augen auch in Zukunft noch genügend Wasserlöcher findet, um überleben zu können. Allen Unkenrufen zum Trotz…

Quelle: DGHT Broschüre: Gelbbauchunke-Lurch des Jahres 2014

Text und Foto: Birgit Förderreuther

Hinweis:

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