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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Oktober 2021: Das Bachneunauge ( Lampetra planeri )

 

Das Bachneunauge - Fisch des Jahres 2012 - Fisch oder Fossil?

Bachneunauge

In "unserem" Reichenbach, zusammen mit der Aich, befindet sich eines der seltenen Vorkommen eines sonderbaren Fisches. Aber ist es tatsächlich ein richtiger Fisch?

Das Bachneunauge gehört zur Klasse der Rundmäuler (Cyclostomata). Diese Klasse hat eine Entwicklung von über 400 Millionen Jahren hinter sich. Die Cyclostomata zweigten in der Entwicklung frühzeitig von den echten Fischen ab. Ihre Vorfahren, die Panzerfische, sind als Fossilien aus dem Devon bekannt. Die Cyclostomata sind die primitivste Wirbeltiergruppe, die wir kennen. So hat das Bachneunauge keinen Kiefer, keine Schwimmblase , keine paarigen Flossen und nur ein ganz geringes Skelett.

Das Bachneunauge wird bis zu 20 cm lang. Es hat einen aal-ähnlichen Körper .Charakteristisch sind die 7 Kiemenöffnungen auf jeder Seite, die in einer Reihe mit dem richtigen Auge und der Nasenöffnung im Wasser so aussehen, als habe der Fisch 9 Augen. Ein echtes "Neunauge".

Mit seiner oberseits blaugrün gebänderten Färbung und dem hellen Bauch ist es ideal angepasst an klare Bäche und Flüsse der Forellen/Äschenregion. Erwachsene Neunaugen laichen von März bis Juni an sandigen und kiesigen Stellen unserer Bäche. Das Larvenstadium dauert 3-5 Jahre. Dabei sind die "Querder" blind. Um Schwebteilchen, von denen sich der Querder ernährt, aus dem Wasser filtrieren zu können, ragt das Maul etwas ins strömende Wasser. Erst mit der Umwandlung zum erwachsenen Tier setzt das Sehen ein. Dafür verkümmert der Darm und die erwachsenen Tiere nehmen keinerlei Nahrung mehr auf. Direkt nach der Paarung und dem Laichen sterben sie ab.

Ende der 1990er Jahre galt das Bachneunauge im Kreis Esslingen mit einer Ausnahme als ausgestorben. Lediglich im Oberlauf des Reichenbaches konnte es noch nachgewiesen werden. Inzwischen scheinen sich die Bestände zu erholen. So kann das (dem Fischer meist unsichtbare) Bachneunauge bei wissenschaftlichen Elektrobefischungen in Reichenbach, Schaich und Aich immer wieder nachgewiesen werden. Bei der letzten Kartierung fanden sich auf einer Strecke von 100 Metern 41 Bachneunaugen!

Ich freue mich, dass viele Maßnahmen zur Verbesserung unserer Fließgewässer ganz konkrete Erfolge bei dieser seltenen und besonderen Tierart bewirkt haben.

Quellen:

  • "Natur im Landkreis Esslingen", Band 4, Nabu 1997
  • Muus/Dahlström "Süßwasserfische"
  • Fischereiforschungsstelle BW, E-Befischungsprotokolle 2018
  • "Fische in Baden-Württemberg", MLR BW

Text: Carsten Wagner, Foto: B.R.Quintella


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