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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Februar 2024: Vom Wildkohl zur Kulturpflanze ( Brassica oleracea )

 

Die Wildpflanze ist eine ausdauernde Staude. Blütezeit ist vom Juni bis September. Sie gehört wie Senf und Raps zu den Kreuzblütern (Brassicaceae), hat 4 Kelch- und 4 schwefelgelbe Blütenblätter. Der Blütenstand erscheint in einfacher Traube oder als Doppeltraube. An einem geraden Stängel wachsen leierförmige, behaarte Blätter.

Kohlarten

Die Urpflanze (Brassica oleracea oleracea), in der Zeichnung links, kommt heute noch als Halbstrauch rund ums Mittelmeer und an der Atlantikküste vor. In Deutschland wächst sie nur auf Helgoland. Schon die Römer holten sich die Pflanze in ihre Gärten und konnten im milden Klima die Blätter das ganze Jahr ernten.

Im Mittelalter züchtete man über Jahrhunderte den Kopfkohl. Die fest aneinander liegenden Blätter behielten die Feuchtigkeit und waren bis weit in den Winter haltbar. Die Kohlarten wurden durch Selektion aus der Wildform herausgezüchtet und zeichnen sich durch einen mehr oder weniger scharfen Geruch und Geschmack aus, der von den darin enthaltenen Senfölen stammt. Neben dem Rot- und Weißkohl gibt es noch Grünkohl, Wirsing, Kohlrabi, Blumenkohl und Rosenkohl. In anderen Ländern gibt es weitere verschiedene Varietäten z.B. Brokkoli oder Chinakohl usw.

In Griechenland schätzte man den Kohl weniger als Nahrungs- sondern als Heilmittel z.B. für die Verdauung und Reinigung des Körpers. Auch in der Klostermedizin Mitteleuropas wird Kohl ("Brassica oder Caulos") bei einer Menge von Krankheiten empfohlen. Kohl war im Mittelalter ein Arme-Leute-Essen. Auf die Tische der Adligen kam er eher selten.

Kohlreklame

Durch die Erfindung des Konservierens mit Salz oder durch Fermentierung war das Sauerkraut das ganze Jahr über verfügbar und versorgte die Bevölkerung mit Nahrung und Vitamin C. Für die aufkommende Seefahrt war das Sauerkraut ein Segen, und die Krankheit Skorbut, an der bis dahin viele Seeleute starben, verlor ihren Schrecken. In China hat man schon viel früher Gemüse haltbar gemacht. So bekamen die Bauarbeiter, die die Große Mauer errichteten, als Grundnahrungsmittel Reis und sauren Kohl.

Auch bekannte Dichter äußerten sich zum Sauerkraut. Ich erinnere an Wilhelm Busch und seine Witwe Bolte:
"Dass sie von dem Sauerkohle / eine Portion sich hole,
wovon sie besonders schwärmt, / wenn er wieder aufgewärmt."

Auch Eduard Mörike hatte seine Meinung:
"Was das Filderkraut so besonders macht ist seine feine Zartheit, worin es sich vor dem in anderen Gegenden gepflanzten Kohl auszeichnet."

Somit haben wir den Bezug zur Filderebene, deren Spezialität das Spitzkraut ist, und zu Filderstadt hergestellt. Der milde Geschmack machte das Filderkraut bekannt. Seit dem 24.10.2012 ist "Filderkraut" in der EU als geschützte geografische Angabe (g.g.A) registriert. Nach dem letzten Weltkrieg wurden die Deutschen abschätzend als "Krauts" bezeichnet, was uns nicht grämen sollte, denn schon immer hat Kohl die Bevölkerung gut und gesund durch schwere Zeiten gebracht.


Quellen:
- Rothmaler Exkursionsflora
- Filderstädter Schriftenreihe Band 10, 1995
- Internet (Wikipedia.de)

Text: Brigitte Spahr, Zeichnung: Rothmaler, Foto: Filderkraut Reklame 1904, Wikipedia


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