Winter 2011 Albblick Gelb- / Goldstern Karcherbirnenernte

Die Biotopkartiergruppe Filderstadt

ist eine ehrenamtlich tätige Arbeitsgruppe von Bürgern, die sich im Natur- und Artenschutz und der Landschaftspflege in Filderstadt engagieren.

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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

April 2018: Die Erdkröte ( Bufo bufo )

Erdkröte

"Krötenschleim und Spinnenbein, Drachenblut und Gallenstein…".Aus den Hexengebräuen früherer Zeiten ist unsere Hauptdarstellerin nicht wegzudenken. Der Grund ist sogar nachvollziehbar: In ihrer Haut und vor allem in den gut sichtbaren Wülsten hinter den Augen, sitzen zahlreiche Giftdrüsen. Die Giftstoffe sollen Feinde sowie schädliche Mikroorganismen fernhalten. Tatsächlich enthält der Giftcocktail unter anderem Substanzen, die ähnlich wie LSD Rauschzustände verursachen. Weitere Bestandteile beeinflussen Herzschlag und Blutdruck. Um seine halluzinogene Wirkung zu entfalten muss das Gift in die Blutbahn gelangen. Berührt man eine Kröte nur, sollt man sich trotzdem die Hände waschen, da Schleimhautreizungen auftreten können.

Erdkröten gehören zu den Amphibien (Lurche). Ihre Haut ist dünn, kaum verhornt und schützt daher nicht vor Verdunstung. Aus diesem Grund bevorzugen Amphibien in der Regel Lebensräume mit hoher Luftfeuchtigkeit. Trinken wird man eine Kröte nicht sehen, da selbst das "Trinkwasser" über die Haut aufgenommen wird. Was ihren Aufenthaltsort angeht, ist unsere Erdkröte nicht wählerisch. Bevorzugt werden Laub- oder Mischwälder mit ausgeprägter Krautschicht. Es werden aber auch Wiesen und sogar Gärten besiedelt, wenn entsprechende Strukturen vorhanden sind.

Tagsüber versteckt sie sich unter Steinen, Wurzeln, Laub oder in selbstgegrabenen Erdlöchern. Bei Anbruch der Dämmerung geht sie dann auf Nahrungssuche. Läuft ihr eine Assel, eine Spinne, ein Regenwurm oder anderes Kleingetier über den Weg, wird das Objekt kurz optisch fixiert, um dann mit der Schleuderzunge zielsicher erbeutet zu werden. Die Zunge ist vorne im Unterkiefer befestigt und in Ruhe nach hinten Richtung Rachen geklappt. Beim Herausschleudern nimmt die Zungenspitze am Mundhöhlendach klebrigen Schleim auf, an dem die Beute dann hängenbleibt. Der ganze Vorgang dauert weniger als eine zehntel Sekunde. Bei größeren Beutetieren, wie etwa dicken Regenwürmern, wird das aus dem Mund ragende und sich meist stark windende Ende des Wurms nach und nach mit Hilfe der Vorderbeine vollends in den Mund gestopft, wobei anhaftende Erd- oder Laubteilchen immer wieder mit denselben abgestreift werden. Zum Schlucken brauchen Kröten dann die Augen (!): Diese werden nach innen gezogen und drücken so die Beute den Schlund hinab. Auch Nacktschnecken stehen auf dem Speiseplan der Erdkröte. Schon deshalb müsste sie im Garten ein gern gesehener Gast sein.

Auffallen tun Erdkröten vor allen, wenn sie im Frühjahr ihr Laichgewässer aufsuchen. Zuerst treffen die Männchen ein, die hormongeschwängert auf alles zuschwimmen, was entfernt an ein Weibchen erinnert. So werden auch Holzstücke umklammert oder andere Männchen, die den Irrtum mit einem knarzigen "uh, uh" kundtun. Die weiblichen Tiere sind um einiges größer als die männlichen. Da sich die Weibchen nur alle paar Jahre fortpflanzen und daher zahlenmäßig am Laichgewässer unterlegen sind, stürzen sich oft mehrere Männchen auf ein ankommendes solches. Es kann passieren, dass das Weibchen dabei ertrinkt, weil es zum Atemholen nicht mehr über die Wasseroberfläche gelangen kann. Manche Pärchen finden sich bereits auf dem Weg zum Gewässer, wobei das weibliche Tier den eisern klammernden Partner dann huckepack vollends zum Zielort trägt.

Erdkröten geben ihre 3000 bis 8000 Eier in einer Schnur ab. Diese ist zwei bis fünf Meter lang und wird um Wasserpflanzen oder ins Wasser ragende Zweige gespannt. Nach dieser Prozedur verlassen die Tiere ihr Laichgewässer und suchen ihren Sommerlebensraum auf, der bis zu fünf Kilometer entfernt sein kann. Im Herbst bewegen sie sich dann wieder in Richtung ihres angestammten Laichgewässers, um in dessen Nähe zu überwintern. Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis vier Wochen Kaulquappen, die sich von absterbenden organischen Substanzen ernähren. I m Sommer verlassen die fertig entwickelten, nur einen knappen Zentimeter großen Jungkröten das Gewässer. Erst nach drei (Männchen) beziehungsweise fünf Jahren (Weibchen) werden sie geschlechtsreif und kehren dann zur Fortpflanzung zu ihrem Gewässer zurück.

Feinde haben Erdkröten viele: Greifvögel, Eulen, Reiher, Iltisse und selbst Ringelnattern lassen sich von dem Gift nicht abschrecken. Jungkröten werden sogar von räuberischen Käfern erbeutet. Für andere Tiere wie auch Hunde und Katzen, kann ein Biss in eine Kröte tödlich enden. Da bereits die Kaulquappen toxische Stoffe absondern, werden sie von vielen Fischarten verschmäht (Ausnahme: Hecht und Barsch). So kommt die Erdkröte zum Beispiel im fischreichen Bärensee in Filderstadt im Gegensatz zu den anderen Amphibienarten noch in größerer Zahl vor.
Ein weiterer Feind der Kröten sind die Autos. Aufgrund ihrer relativ weiten Wanderungen zwischen Gewässer und Landlebensraum müssen oft Straßen überquert werden. Kröten wandern nachts und sie wandern langsam. Dabei bleiben sie gerne auch auf dem Asphalt sitzen. Die Männchen haben hier nämlich einen guten Überblick und halten hoch aufgerichtet Ausschau nach potentiellen Partnerinnen. Selbst wenn man als Autofahrer Rücksicht nimmt und die Geschwindigkeit auf 50 km/h drosselt, überleben das die Tiere nicht. Messungen zufolge entsteht unter dem Auto ein Unterdruck, der den Kröten die Eingeweide aus dem Mund quellen lässt.

Die meist ehrenamtliche Arbeit von Naturschützern an Amphibienzäunen oder auch die zeitweise Sperrung von Straßen, kann dem massenweisen Straßentod unserer Erdkröten entgegenwirken. Es ist gut möglich, dass dies auch uns zugutekommt. Neuere Studien in Australien und China haben gezeigt, dass das Gift der Kröten gegen Krebszellen wirkt.

Text und Foto: B. Förderreuther

Quellen:

http://feldherpetologie.de/lurch-reptil-des-jahres
www.20min.ch/krötengift
D.Gland (2015): Die Amphibien und Reptilien Europas


Hinweis:

Die vorhergehenden Beiträge dieser Rubrik "Art des Monats" können jahrgangsweise oder einzeln im Archiv (hier klicken) dieser Homepage nachgelesen werden.


 

Besondere Beobachtungen / Entdeckungen (neueste zuerst)

 

Bemerkenswerte Moos-Funde des Experten Uwe Schwarz (Bernhausen):

* Sept./Okt.2017: Sitzendes Tagmoos Ephemerum sessile > Gew. Lerchenäcker/Bromberg/Felle (erster gesicherter Nachweis für Bad.-Württ.!)

* Aug. - Okt.2017: Bruchblättr. Scheinglanzmoos Chenia leptophylla > Felder in allen Ortsteilen (Erstnachweis im Stuttgarter Raum)

* Aug.- Sept.2017: Krummblättr. Tagmoos Ephemerum recurvifolium > in Bernh./Sielm./Aichtal (Wiederfund im Stuttgarter Raum - zuletzt 1878!)

* Mai - Juni 2016: Brutblatt-Verbundzahnmoos Tortula pagorum > in Friedhof Bernh./Sielm. (in Bad.-Württ. hauptsächlich im Rheintal)

* am 23.09.2017: Einseitswendiges Verstecktfruchtmoos Cryphaea heteromalla > am Feldrand im Mahdenhau/Bonl. (bisher nur im nördl. Bad.-Württ. und im Rheintal)

* Aug. - Okt.2017: Flörkes Zwergglanzmoos Phascum floerkeanum > Feldränder in Bonl./Platt. (bisher hauptsächlich im nördl. Bad.-Württ.)

* am 23.09.2017: Krummstieliges Zwergmoos Seligeria campylopoda > auf Sandstein in der Schinderklinge

* am 19.06.2017: Weißhaubiges Goldhaarmoos Orthotrichum scanicum > am Waldrand im Mahdenhau/Bonl. (bisher unbekannt im Stuttgarter Raum)

* am 24.08.2017: Wimpern-Sternlebermoos Riccia ciliata > Feld b. Langenäckerhof/Platt. (bisher nur an 4 Stellen im nördl. Bad.-Württ. bekannt)

 

Weitere bemerkenswerte Tier- und Pflanzenarten (2017):

* am 23.12.2017: 2 Silberreiher auf Feldern zwischen Harth. >> Grötz. (B.Förderreuther)

* am 17.12.2017: 1 Silberreiher auf Feldern im Gew. Esslinger Weg/Bernh. (E.Mayer)

* am 17.12.2017: ca. 70 Saatkrähen auf Feldern im Gew. Benzenäcker/Sielm. (E.Mayer)

* am 10.12.2017: ca. 40 Hänflinge auf Brache im Gew. Lache/Sielm. (E.Mayer)

* am 25.11.2017: 38 Saatkrähen + 4 Dohlen auf den Mühlwiesen/Sielm. (E.Mayer)

* am 23.11.2017: 36 Kraniche ziehend am Uhlberg nach SW (E.Mayer)

* am 03.11.2017: 4 Krickenten am Ufer Steppachsee/Bernh. (E.Mayer)

* am 29.10.2017: 140 Kraniche ziehend über Feldern Grötz./Harthausen nach SW (B.Förderreuther)

* am 14.10.2017: 2 Steinschmätzer auf Sturzacker im Gew. Letten/Sielm. (E.Mayer)

* am 14.10.2017: 1 Braunkehlchen auf Koppel am Rohrbach/Sielm. (E.Mayer)

* am 13.10.2017: 3 Zwergtaucher kämpfend am Bärensee (E.Mayer)

* am 11.10.2017: 1 Fransenenzian blühend auf der Aicher Heide (U.Niklas)

* am 01.10.2017: 7 Dohlen auf Stoppelfeld im Gew. Leerer Sack/Sielm. (E.Mayer)

* am 01.10.2017: 7 Rohrammern in Jungsaat im Gew. Achgraben/Bernh. (E.Mayer)

* im Herbst 2017: Herbst-Drehwurz blühend auf der Aicher Heide (U.Niklas)

* am 25.09.2017: 2 Kolkraben streitend mit Bussarden am Waldrand Weilerhau/Platt. (B.Förderr.)

* am 25.09.2017: 5 Rotmilane ziehend nach Südwesten im Weilerhau/Platt. (B.Förderreuther)

* am 22.09.2017: 8 Rebhühner auffliegend am Harthäuser Weg/Sielm. (E.Mayer)

* am 21.09.2017: 1 Wanderfalke kreisend/übfl. am Bärensee (E.Mayer)

* am 15.09.2017: 2 juv. Baumfalken am Waldrand Weilerhau/Platt. (C.Simon)

* am 03.09.2017: 1 Ortolan auf Krautacker im Gew. Heidenfeld/Sielm. (E.Mayer)

* Aug./Sept.2017: Beifuß-Ambrosie am Teufelswiesenteich/Bonl. (Böcker/Niklas)

(wegen Gefahr durch Allergie-Auslösung entfernt!)



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