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Die Biotopkartiergruppe Filderstadt

ist eine ehrenamtlich tätige Arbeitsgruppe von Bürgern, die sich im Natur- und Artenschutz und der Landschaftspflege in Filderstadt engagieren.

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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Februar 2020: Der Mittelspecht ( Dendrocopos medius )

Mittelspecht

Vermutlich gibt es nur wenige Menschen, die den Mittelspecht überhaupt kennen. Kommt er in unserer Gegend vor?

Ja - es gibt ihn hier bei uns, auch in Filderstadt. Man muss kein Experte sein, um ihn zu erkennen, aber man muss schon geduldig und genau hinschauen, um ihn vom Buntspecht, seinem sehr ähnlichen großen Bruder, zu unterscheiden. Beide sind schwarz-weiß gefärbt, beide haben etwas Rot an Kopf und Unterschwanzdecken, und der Mittelspecht ist nur minimal kleiner als der Buntspecht.


Aussehen: Was sind die wichtigsten Unterschiede zum Buntspecht?

  • Stirn und Scheitel des Mittelspechts sind bei beiden Geschlechtern rot gefärbt, beim Buntspecht besitzt nur das Männchen einen roten Nackenfleck am Kopf
  • Unterschwanzdecken und Steiß sind nicht satt karminrot wie beim Buntspecht, sondern nur rosa gefärbt
  • Bauch und Flanken sind schwach gelbbraun getönt, mit zarten dunklen Längsstrichen (beim Buntspecht = weiß)
  • der schwarze Wangenstreif des Buntspechts fehlt beim Mittelspecht
  • die Körperlänge des Mittelspechts erreicht maximal 22 cm, beim Buntspecht ist sie ca. 2 cm länger.

Lebensraum: Wo finden wir den Mittelspecht? Wie ernährt er sich?

Man kann ihn hauptsächlich in alten Laubwald-Beständen mit hohem Totholzanteil finden, vor allem in Eichenwäldern. Das liegt daran, dass sich sein verhältnismäßig schwacher Schnabel eher zum Stochern als zum Hacken eignet. Grobrissige Rinde zum Aufsuchen stamm- und rindenbewohnender Insektenarten findet er am ehesten in alten Eichen und Eschen, weniger in Buchen und anderen Baumarten mit glatter Rinde. In unseren Streu-obstwiesen stochert er deshalb auch gerne in der groben Borke alter Birnbäume. Oben in den Baumkronen sammelt er mit Vorliebe Blattläuse.
Im Winter wagt er sich an Futterplätze in Gärten, Obstwiesen und an Waldrändern. In der kalten Jahreszeit schmeckt ihm dann auch pflanzliche Kost wie Obst, Nüsse und verschiedene Samen.

Stimme: Warum hat der Mittelspecht den Spitznamen "Quäker" erhalten?

Vermutlich kann man ausschließen, dass Mittelspechte der religiösen Gemeinschaft der "Quäker" angehören - worauf ist dann dieser Spitzname zurückzuführen? Schon jetzt im Februar, und während der gesamten Balzzeit bis zum Ende des Frühjahrs, kann man den klagenden, quäkenden, 4-5-silbigen Revier-Gesang im Eichenwald hören. Es gehört Mut dazu, dieses Quäken als "Gesang" zu bezeichnen; etwas übertrieben gesagt, könnte man es eher als Hilferuf eines vom Erstickungstod bedrohten Wesens verstehen. Das Quäken kann schauerlich und unheimlich klingen, auf jeden Fall ist es im Gesangs-Repertoire unserer heimischen Vögel ein unverwechselbarer Balzgesang.
Neben der Quäkerei, mit welcher der Mittelspecht sein Revier absteckt, hört man häufiger und ganzjährig seine "quik-quek-quek-quek-quek"-Rufreihen. In der Erregung werden dann die roten Kopffedern auffällig gesträubt.

Was sonst noch interessiert:

Wichtig: Mittelspechte trommeln nicht! Nur in sehr seltenen Ausnahmesituationen wurden bisher trommelnde Exemplare nachgewiesen.
Mittelspechte halten sich fast ausschließlich auf Bäumen auf, sind geschickte Kletterer und können sogar "hängend" entlang von Seitenästen und mit dem Kopf nach unten stamm-abwärts klettern. Ihre Bruthöhle benutzen sie i.d.R. mehrjährig. Das Gelege mit 5-6 Eiern wird etwa 2 Wochen lang bebrütet (überwiegend vom Männchen - wie bei allen Spechtarten!). Die Nestlinge werden danach 3 Wochen in der Höhle gefüttert und nach dem Ausfliegen noch 2 Wochen geführt.

Kurioses: Pinocchio - ein Filderstädter Mittelspecht

Vom September 2015 bis März 2016 tauchte am Ortsrand Bonlanden regelmäßig ein seltsamer Mittelspecht auf. Aufgrund eines Gen-Defekts musste er sich mühsam und mit schrauben-förmig deformiertem Schnabel seine Nahrung am Futterplatz holen. Leider war "Pinocchio" (wie wir ihn nannten) im nächsten Winter nicht mehr zu sehen.

Text: Eberhard Mayer, Foto: R. Ablondi


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