Winter 2011 Albblick Gelb- / Goldstern Karcherbirnenernte

Die Biotopkartiergruppe Filderstadt

ist eine ehrenamtlich tätige Arbeitsgruppe von Bürgern, die sich im Natur- und Artenschutz und der Landschaftspflege in Filderstadt engagieren.

----->> Hier direkt zu näheren Informationen <<----

Aktuelle Informationen:                                       

 

 

Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Februar 2021: Die Gemeine Winterlibelle ( Sympecma fusca )

Winterlibelle

Stellen Sie sich vor: Endlich schenkt uns der Februar ein paar freundlichere und wärmere Tage. Sie haben genug von den kalten und relativ schneereichen Wintermonaten und machen um die Mittagszeit einen Spaziergang zum Bärensee. Sie setzen sich auf eine Holzbank am Waldrand und genießen die wärmenden Strahlen der Februarsonne. Plötzlich bewegt sich der Pflanzenstängel neben der Bank und ein bräunliches, stabförmiges, ca. 4 cm langes Individuum (Insekt?) dreht sich vor Ihren Augen auf die Rückseite des Halmes.

Nein - Sie haben richtig gesehen! Sie benötigen keine stärkere Brille, und Sie leiden auch nicht an Halluzinationen, weil sich der Stängel vor Ihnen plötzlich bewegt hat und möglicherweise ein paar Meter weiter flog. Das geheimnisvolle Etwas vor Ihren Augen stellt sich als eine Libellenart (!) mit ungewöhnlichen Eigenschaften heraus: es handelt sich um die einzige Libelle Mitteleuropas, welche nicht als Larve, sondern als voll entwickeltes Insekt (= Imago) überwintert und die deshalb die Bezeichnung Winter-Libelle völlig zu Recht verdient.

Grundsätzliches und Merkmale:

Die "Gemeine Winterlibelle" wird der Unterordnung der Kleinlibellen und der Gattung der Teichjungfern zugeordnet. Sie erreicht eine Körperlänge von knapp 4 cm und eine Flügelspannweite von 36 - 46 mm. Die Brust (Vorderkörper) ist hellbraun gefärbt mit zwei dunkelbraunen Binden. Auf der Oberseite des Hinterleibs sind 5-6 lanzettförmige, dunkelbraun bis kupfern getönte Flecken zu erkennen. Männchen und Weibchen sind in der Färbung kaum zu unterscheiden; sie halten ihre Flügel meist geschlossen. Dank ihrer der Umgebung angepassten Färbung sind sie nur schwer zu finden und zu erkennen!

Lebensweise:

Winterlibelle

Winterlibellen paaren sich im April/Mai: in "Tandemstellung" setzen sie sich zur Eiablage auf im Wasser schwimmendes, abgestorbenes Pflanzenmaterial. Nach der Fortpflanzung leben die "Alttiere" nur noch wenige Wochen weiter bis in die Monate Mai/Juni.

Drei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven und entwickeln sich bereits nach weiteren 2 - 3 Monaten, also im Juli/August, zum fertigen, flugfähigen Insekt. Im Herbst sucht die ausgewachsene Winterlibelle ihre Überwinterungs-Quartiere auf; diese können sowohl in Wassernähe, aber auch an weiter entfernten, windgeschützten Orten wie Waldrändern liegen. In ihrer erstaunlichen Überlebensfähigkeit können sie sich dabei vollkommen einschneien lassen - andererseits bleiben sie auch bei leichtem Frost durchaus bewegungsfähig.
Die Flugzeit der Winterlibellen dauert von Juli/August bis zum Mai/Juni des Folgejahres. Bei 10-11 Monaten Lebensdauer wird die Art also "relativ alt". Zum Vergleich: es gibt viele andere Libellenarten, welche voll entwickelt nur zwischen 2 Wochen bis zu 3 Monaten alt werden.

Wo können wir Winterlibellen beobachten?

Wegen ihrer perfekten Tarnung sind Winterlibellen nicht leicht zu finden. Sie bewohnen stehende Gewässer mit zumindest teilweise bewachsenen Ufern. Wir haben die Art inzwischen an 13 verschiedenen Gewässerabschnitten Filderstadts feststellen können. Am Bärensee, in Tümpeln und Teichen im Bombach- und Reichenbach-Tal sowie in Gewässern am Uhlberg und im Bechtenrain bestehen gute Beobachtungsmöglichkeiten. Wegen der erwähnten guten Tarnung ist Geduld und Ausdauer gefragt! Keine Angst - sie stechen nicht!

Literatur:

Der Kosmos Libellenführer (Bellmann, 2013, Franckh-Kosmos-Verlags-GmbH)
Internet: https://libellenwissen.de

Text: Eberhard Mayer, Fotos: E. Mayer, A. Calmbacher


Hinweis:

Die vorhergehenden Beiträge (über 130 Berichte Stand 2020) "Art des Monats" können jahrgangsweise oder einzeln im Archiv (hier klicken) dieser Homepage nachgelesen werden.



Home nach oben

© Biotopkartiergruppe. Alle Rechte für Texte und Fotos vorbehalten.