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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

November 2019: Einseitswendiges Verstecktfruchtmoos ( Cryphaea heteromalla )

Verstecktfruchtmoos

Das einseitswendige Verstecktfruchtmoos gehört als einziger, einheimischer Vertreter zu einer Familie von Moosen, zu der ca. 100, meist tropisch oder subtropisch verbreiteten Arten gehören. Es ist in West- und Südeuropa, Nordafrika, den Azoren, den Kanaren und Nordamerika zu finden. Insgesamt ist die Cryphaea submediterran bis subatlantisch verbreitet. Sein Name leitet sich von κρυφαιος (kryphaios = verborgen) ab, da die Sporenkapseln nicht auf einen Stiel emporgehoben, sondern in den oberen Blättern eingeschlossen sind.

Die kriechenden Stängel mit bis zu 5 cm langen, gelblich- bis dunkelgrünen Ästen wachsen in lockeren aufrechten Rasen. Die kurzen Seitentriebe, an denen sich die Kapseln bilden, führen zu einem sehr charakteristischen Aussehen. Besiedelt werden Stämme und Äste von Laubbäumen, besonders von Holunder. Die Art ist an offenen und halbschattigen Stellen, meist an Waldrändern zu finden. In geschlossenen Waldgebieten oder isolierten Einzelbäumen findet man die Art nicht. Da Cryphaea nur kleinere Rasen bildet, ist sie bei reichen Epiphytenbewuchs nicht einfach zu finden. Die schlanken, abstehenden Äste sind bei einem richtigen Blickwinkel von anderen Epiphyten allerdings gut zu unterscheiden.

In Baden-Württemberg wurde die Art erstmalig 1857 am Heidelberger Schloss gefunden und gehörte für viele Jahre auch in Deutschland zu den Seltenheiten. Noch 2001 wird in "Die Moose Baden-Württembergs" darauf hingewiesen, dass die Art im Gebiet schon immer eine große Seltenheit war. Nur im Saarland wurde Cryphaea auch schon früher etwas häufiger beobachtet.

Verbreitung in FS

In den letzten 20 Jahren ist eine deutliche Ausbreitungstendenz zu beobachten. Hatte die Art in der Vergangenheit im atlantisch beeinflussten, südwestdeutschen Raum ihre Verbreitungsgrenze, so verschiebt sich diese bis nach Südskandinavien und Polen. Als ein Grund wird der Klimawandel herangezogen, was auch den Ausschlag zur Wahl des Mooses des Jahres 2019 gab. Vorkommen im Harz und im Erzgebirge sprechen jedoch nicht für eine klimabedingte Ausbreitung dieser subatlantischen Art. Viele der Funde liegen in der Umgebung landwirtschaftlich genutzter Flächen, was auch auf eine Ausbreitung auf Grund steigender Stickstoff-Emissionen deuten könnte. Eine finale Aussage bleibt weiteren Forschungen vorbehalten.

Von der zunehmenden Ausbreitung hat auch Filderstadt profitiert. Cryphaea konnte bisher zweimal in Filderstadt nachgewiesen werden, zum einen in einem kleinen Wäldchen nahe der Straße zum Schützenhaus und zum anderen in einer Streuobstwiese im Gewann Lechtfeld. An beiden Stellen wurden nur kleine Bestände gefunden. Die Art ist in Filderstadt derzeit selten, weitere Vorkommen sind aber zu erwarten.

Text, Foto und Verbreitungskarte: Uwe Schwarz


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