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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Juni 2020: Der Wasserschlauch ( Utricularia vulgaris )

Wasserschlauch

Der Echte Wasserschlauch ist eine karnivore (fleischfressende) Pflanze mit aquatischer Lebensweise. Er gehört zur gleichnamigen Gattung der Wasserschläuche (Utricularia). Diese umfasst sieben in Mitteleuropa vorkommende Arten, welche gemeinsam 2015 von den nationalen Tauchsportverbänden von Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Wasserpflanze des Jahres gekürt wurden. Sechs von ihnen sind (noch) in Baden-Württemberg zu finden, stehen jedoch traurigerweise alle auf der Roten Liste des Landes. Hauptgefährdungsgrund ist die Trockenlegung von Feuchtbiotopen. Auch der echte Wasserschlauch ist als stark gefährdet klassifiziert (Kategorie 2 der Roten Liste) und in vielen Gebieten Baden-Württembergs nur noch selten anzutreffen.
Umso erfreulicher ist es, dass in Filderstadt stellenweise - etwa am Steinbruchteich im Gewann Bechtenrain und am Uhlberg - noch Vorkommen mit zahlreichen Individuen zu finden sind.

Der Wasserschlauch besiedelt stille oder schwach fließende Gewässer und kommt dabei sowohl mit nährstoffarmen wie auch nährstoffreichen Lebensbedingungen zurecht. Sicherlich wird diese eher unscheinbare, aber durch ihre Lebensweise sehr beeindruckende Pflanze von vielen im ersten Moment übersehen, ein zweiter Blick lohnt sich daher. Am einfachsten entdeckt man den Wasserschlauch zwischen April und August. In dieser Zeit ragen die Blüten über die Wasseroberfläche hinaus und bestechen mit ihrer filigranen Form und einem satten Gelb. Als Bestäuber sind hauptsächlich Schwebfliegen, seltener auch Bienen zu nennen. Auch eine Selbstbestäubung ist möglich. Die Samen sind schwimmfähig und werden schwimmend oder durch Wasservögel verbreitet. Alle Pflanzenorgane außer der Blüte sind ganzjährig untergetaucht und daran perfekt angepasst. So sind die Wurzeln oft stark reduziert, die Sprossachse ist langgezogen und die Blätter sind fein gefiedert.

Das besondere Merkmal des Wasserschlauchs sind die Fangblasen. Dabei handelt es sich um blasen- oder sackförmige Anhängsel der Blätter, mit welchen die Pflanze ihre Versorgung mit den Nährstoffen Stickstoff und Phosphat sicherstellt. Als Beute dienen kleine, im Wasser lebende Tiere wie beispielsweise Wasserflöhe, Rädertierchen, Mückenlarven und Fadenwürmer. Der Fangmechanismus arbeitet dabei mit Unterdruck und ist einzigartig im Pflanzenreich. Der Unterdruck entsteht, indem aus den mit einem Deckel dicht abgeschlossenen Fangblasen das Wasser abgepumpt wird. Dadurch ist die Falle fangbereit. Angelockt wird die Beute mittels Antennen, welche vorbei schwimmende Tiere in Richtung der Fallenöffnung leiten. Zusätzlich sondern Drüsen auf der Fallentür einen zuckerhaltigen Schleim ab, welcher ebenfalls Beutetiere anlockt. Daneben befinden sich auf der Fallentür auch noch Borsten. Berührt ein nahe kommendes Beutetier diese, wird der Fangmechanismus ausgelöst. Dann öffnet sich die Fallentür und durch den Unterdruck strömt sofort Wasser in die Fangblase. Beutetiere, manchmal auch Algen, welche sich in diesem Moment vor der Fallenöffnung befinden werden durch die Wucht des Wasserstroms mitgerissen und in die Fangblase gesogen. Dieser Vorgang dauert insgesamt gerade einmal 2 Millisekunden und gehört damit zu den schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich!

Anschließend sondern Drüsen auf der Innenseite der Fangblase Verdauungsenzyme ab und zersetzen die Beute. Die durch die Zersetzung frei gewordenen Nährstoffe nimmt die Pflanze auf. Das eingesogene Wasser wird aus der Fangblase herausgepumpt und die Falle ist erneut einsatzbereit. Unverdauliche Reste verbleiben dabei in der Fangblase und füllen diese mit der Zeit. Eine Fangblase des Wasserschlauchs ist dabei etwa 50 Tage lang aktiv und kann in dieser Zeit mehrfach wiederverwendet werden.
Am Ende der Vegetationszeit bildet der Wasserschlauch Winterknospen, so genannte Turionen, an den Triebspitzen aus. Diese Sprossspitzen, die dicht mit kleinen Blättchen besetzt sind, lösen sich von der Mutterpflanze und sinken auf den Grund des Gewässers. Dort überdauern sie den Winter und treiben im nächsten Frühjahr neue Sprosse aus.

Text: Juliane Körner, Foto: Artur Calmbacher

Hinweis:

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