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Die Biotopkartiergruppe Filderstadt

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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Juni 2021: Der Große Rosenkäfer ( Protaetia aeruginosa )

 

Rosenkäfer

Fliegt etwas Kompaktes mit tiefem Brummen an einem vorbei, dann könnte das ein Rosenkäfer sein. In unseren Gefilden handelt es sich dabei meistens um den Gemeinen Rosenkäfer (Cetonia aurata). In letzter Zeit jedoch konnte man auf Filderstadts Waldwegen auch einige Exemplare seines nahen Verwandten, dem Großen Rosenkäfer finden. Der Name ist Programm - mit seinen durchschnittlich 2,5 cm Länge gehört er zu den Imposanten seiner Zunft. Und zu den Schönen: Sein gesamter Körper glänzt metallisch grün. Je nach Lichteinfall kann er dabei golden schimmern, weshalb er auch Großer Goldkäfer genannt wird. Im Gegensatz zum Gemeinen Rosenkäfer, der einige weiße Querrillen aufweist, wird sein Farbglanz durch nichts unterbrochen. Ein fliegender Edelstein - wobei auch der Begriff Klunker nicht untertrieben wäre.


Der schillernde Farbeindruck wird durch eine spezielle Oberflächenstruktur des Chitinpanzers hervorgerufen. Dabei überlagern sich verschiedene Lichtwellen (Interferenz), so dass - je nach Blickwinkel - verschiedene Farbeindrücke entstehen. Diesen sogenannten Flop-Effekt hat sich der Mensch abgeschaut und macht ihn sich zum Beispiel in der Kosmetikindustrie oder bei farbändernden Autolacken zunutze.

Begegnen kann man dem Großen Rosenkäfer vor allem im Mai und Juni an sonnigen Waldrändern. Er ernährt sich von Baumsaft, der aus verletztem Holz austritt, ist aber auch an reifem Obst zu finden. Beim Fliegen benutzt er eine andere Technik als die meisten anderen Käfer: Startet zum Beispiel ein Marienkäfer durch, so öffnet dieser zuerst die oberen bunten Deckflügel, um danach die darunter liegenden häutigen Hinterflügel auszuklappen. Beim Rosenkäfer bleiben die Deckflügel geschlossen. Die zusammengefalteten Hinterflügel werden zum Flug durch Schlitze an den Körperseiten ausgefahren. Eigentlich kaum glaubhaft, dass diese solch einen schweren Käfer tragen können.

Für die Fortpflanzung braucht der Große Rosenkäfer alte Bäume, vorzugsweise Eichen. Darüber hinaus können auch Buchen, Linden sowie Obstbäume als Kinderstube dienen. Die Eier werden in alte Spechthöhlen oder andere Astabbruch-Löcher gelegt. Die Larven ernähren sich dann von Mulm (verfaultes, zu Pulver zerfallenes Holz). Drei lange Jahre fressen und wachsen sie vor sich hin und können dabei eine Länge von über 6 cm erreichen. Erst dann erfolgt die Verpuppung und Umwandlung zum Käfer. Ein naher Verwandter des Rosenkäfers ist übrigens der Eremit oder Juchtenkäfer (Osmoderma eremita), der durch Stuttgart 21 traurige Berühmtheit erlangt hat.

Warum ist dieses harmlose, imposante Insekt bei uns in Baden-Württemberg so selten, dass es sogar vom Aussterben bedroht ist?
Der Grund ist, dass es kaum noch alte Bäume und Totholz in unseren Wäldern gibt. Viele Menschen empfinden es als unordentlich, wenn abgestorbene Bäume im Wald und auf den Wiesen stehen und dürre Äste am Boden liegen. Aber eine aufgeräumte Natur ist für die meisten Lebewesen verloren. Erfreulicherweise werden im Filderstädter Wald Inseln mit alten und absterbenden Bäumen stehen gelassen (Alt- und Totholzkonzept Baden-Württemberg). Hier wird durch Strukturvielfalt Artenvielfalt ermöglicht. Denn totes Holz steckt voller Leben.

Quelle: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/grosser-rosenkaefer

Text und Foto: Birgit Förderreuther


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