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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

September 2018: Die Große Brennnessel ( Urtica dioica )

Brennnessel

Ein unliebsames "Unkraut" - oder steckt da noch mehr dahinter?
Die Meinungen gehen hier auseinander, je nachdem ob es sich um Vorgartenbesitzer, Heilpflanzenkundige oder Ernährungsbewusste handelt.

Im Folgenden beschreibe ich die Große Brennnessel, die zur Familie der Nesselgewächse gehört. Sie ist in Mitteleuropa weit verbreitet und man kann sie u. a. an Waldrändern, Hecken, Zäunen und in Auwäldern finden. Sie liebt nährstoffreiche Böden und ist daher ein typischer Stickstoffanzeiger.
Der ausdauernde, kriechende Wurzelstock dient u.a. der Ausbreitung und der Überdauerung. Daraus wächst eine bis zu 2 m hohe Staude, die einen 4-kantigen Stängel aufweist. Die kreuz-gegenständig angeordneten Blätter sind gestielt und haben einen gezähnten Rand. Die Blattform ist eiförmig-länglich.
Von Juni bis Oktober blüht die Brennnessel. Ihre männlichen und weiblichen Blüten sind auf verschiedenen Pflanzen verteilt, man spricht hier von Zweihäusigkeit. Dies spiegelt sich im Art-Epitheton "dioica" wieder. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht schon eine Begegnung mit den unliebsamen Brennhaaren gemacht hat.
Eigentlich sind diese Brennhaare ein Schutzmechanismus gegen Fressfeinde. Sie bestehen aus feinen dünnen Röhrchen in deren oberen Teil Kieselsäure eingelagert ist, der sie wie Glas zerbrechlich macht. Der untere Teil ist erweitert und flexibel und mit der Brennflüssigkeit (ameisensäurehaltige Stoffe) gefüllt. Schon bei der leichtesten Berührung bricht der obere Teil an einer Art Sollbruchstelle ab und ritzt dabei die Haut leicht auf. Die Brennfüssigkeit spritzt in die kleine Wunde und verursacht so das bekannte Brennen und Jucken.
Weitere Wirkstoffe sind Serotonin, Histamin (erweitert die Blutkapillaren und kann allergieähnliche Reaktionen hervorrufen), Natriumformiat und Acetylcholin. Letzteres ist auch eine Überträgersubstanz vieler Nervenendungen und ist so mitverantwortlich für die Weiterleitung der Schmerzinformation.
TIPP Brennnesseln lassen sich relativ gefahrlos anfassen, wenn man sie ohne anzuhalten von unten nach oben streicht, da die Brennhaare fast alle nach oben gerichtet sind. Auch wenn man fest zugreift, brennt es nicht, da die Haare zerquetscht werden, ohne dass scharfe Spitzen die Haut durchdringen Für die Verwendung in Gerichten, können die Brennhaare mit dem Wellholz zerstört werden oder einfach beim Erhitzen.

Im Ökosystem nimmt die Brennnessel einen wichtigen Platz ein, da sie für ca. 50 Schmetterlings-Raupen und andere Insekten als Futterpflanze dient. Die bekanntesten sind Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Landkärtchen und Admiral. Sie haben eine Strategie entwickelt indem sie die Brennhaare umgehen und am Blattrand oder an den Blattadern fressen.
Auch wenn mancher Gartenliebhaber, die mit ihren kräftigen Wurzeln sich ausbreitende Pflanze nicht im Beet haben mag, so sollte er sie doch an einem geeigneten Plätzchen im Garten wachsen lassen. Die aus ihr hergestellte Jauche hat sich als Pflanzenstärkung, als Düngung und zum Pflanzenschutz bewährt.

Auch mit ihren Inhaltstoffen kann die Brennnessel auftrumpfen. So enthält sie ca. 6x mehr Magnesium(71mg), über 17x mehr Calcium(630mg), 7x mehr Eisen(7,8mg), ca. 9x mehr Eiweiß(5,8mg) und über 25x mehr Vitamin C (333mg) als Kopfsalat pro 100g.* Kalium, Phosphor, Silizium, Vitamin E, Schleimstoffe, Karotinoide sind weitere Inhaltstoffe und die Samen enthalten ca. 30% fettes Öl.

Daneben ist sie in der Volksmedizin bekannt zum Vorbeugen und Heilen. Beim Verzehr von frischen, jungen Blättern und Samen wird die stärkende Wirkung der Brennnessel - für Haare, Haut, Knochen, Zähne und zur Blutbildung (hoher Eisenanteil) am besten genutzt. Von Pfr. Kneipp wurde ein Absud der frischen Brennnessel als Haarwuchsmittel empfohlen.
Wegen ihrer ausleitenden und harntreibenden Wirkung wird die Brennnessel gerne als Tee für Entgiftungs- und Basenkuren verwendet, vornehmlich im Frühjahr.
Die in der Brennnessel enthaltenen Enzyme und pflanzliche Hormone unterstützen die Senkung des Blutzuckerspiegels, wirken vorbeugend gegen Krebs, lindern Prostataleiden und sind entzündungshemmend.

In Notzeiten wurden aus Brennnesseln verschiedene Gerichte hergestellt u.a. Spinat, Nesselsuppe oder in Pfannkuchen. Aufgrund der vielfältigen Inhaltstoffe nimmt die Brennnessel inzwischen wieder Einzug in die heimische Küche z.B. in der Verwendung als Zutat von Dips, Gemüse, Smoothies, Salaten, Käse, Pesto, Chips. Noch heute gibt man sie in das Futter von Küken, Ferkeln und Kälbern zur Kräftigung.
Erwähnenswert erscheint mir auch der alte Volksname "Hanfnessel". Schon in der Bronzezeit wurden die Stängelfasern zur Tuchherstellung genutzt. Um 1900 galt die Nessel als das Leinen der armen Leute. Da das aus der Faser gewonnene Tuch sehr strapazierfähig ist wurde es zur Herstellung von Berufskleidung, Armeekleidung (noch im 2.Weltkrieg) oder als Zeltbahnstoff verwendet. Auch als Färberpflanze kann die Brennnessel verwendet werden.

Quellen: wikipedia, *Dr. Markus Strauß, Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen

Text: U. Niklas, Foto: Anna Krupp M.Sc.


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