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Die Biotopkartiergruppe Filderstadt

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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Oktober 2020: Die Schwarze Tollkirsche ( Atropa belladonna )

Tollkirsche

In den Filderstädter Wäldern findet sich bisweilen an den Wegrändern die Tollkirsche. Es handelt sich um einen Strauch mit schwarzen Beeren. Sie ist stark giftig

Name: Der Name Tollkirsche weist auf die schwarzen Beeren hin. Sie erinnern in Aussehen und Geschmack (süß, leicht aromatisch, sehr lecker) an Kirschen. Der Name "Toll" deutet auf die psychedelische Wirkung der Beeren hin, die schon in geringen Dosen zu Rauschzuständen führt. Der lateinische Name Atropa belladonna weist auf die Göttin Atropos (jene Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden abschneidet) und mit belladonna (=schöne Frau) auf die Pupillenerweiterung beim Verzehr von Tollkirschen hin.


Vorkommen: Die Tollkirsche kommt in Filderstadt in Laubmischwäldern auf Schlagfluren und an Wegrändern vor. Sie ist oft vergesellschaftet mit rotem Holunder, Weidenröschen und Himbeeren.

Tollkirsche

Pflanze: Die ausdauernde, krautige Pflanze ist sommergrün. Sie kann bis zu 2m hoch werden. Die kurzgestielten Blätter sind wechselständig. Die glockenförmigen Blüten fallen durch ihre braunviolette Färbung auf. Ab August finden sich an der Pflanze oft gleichzeitig Blüten, reife und unreife Beeren. Die Samen werden vor allem über Amseln und Drosseln verbreitet.

Pharmazeutische Wirkung: Die Tollkirsche ist (neben Eisenhut, Herbstzeitlosen und Schierling) eine der giftigsten und somit auch wirksamsten einheimischen Pflanzen. Der Hauptwirkstoff ist Atropin. Er wird in der Augenheilkunde (Pupillenerweiterung zur Diagnose), zur Reanimation bei Herzstillstand sowie als Antidot bei der Vergiftung mit Insektiziden, E 605 und Nervenkampfstoffen eingesetzt.

Giftwirkung: Wegen ihres ausgezeichneten Geschmacks und des leckeren Aussehens kommen Vergiftungen regelmäßig vor. Für Erwachsene sind 10-20 Früchte tödlich, bei Kindern reichen 2-5 Früchte. Durch den Notarzt wird neben der Magenentleerung auch Natriumsulfat und Medizinkohle gegeben.

Geschichtliches: Schon seit über 2000 Jahren ist die Anwendung der Tollkirsche dokumentiert. Neben dem Einsatz als Abortivum (zur Abtreibung) wurde hauptsächlich die psychedelische (traumerzeugende) Wirkung genutzt. In "Hexensalben" wurde der fettige Auszug der Tollkirsche auf Haut und Schleimhäute aufgebracht, um Traumzustände zu erzeugen. Die Anwender wurden "toll", stark erregt und verspürten die Fähigkeit zu fliegen ("Flugsalbe").

Quellen:

Wink/van Wyk: Handbuch der giftigen und psychoaktiven Substanzen
Roth/Daunder/Kormann: Giftpflanzen-Pflanzengifte

Text Carsten Wagner, Fotos: Wikipedia, Google

Hinweis:

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