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Archiv 2017


 

Besondere Beobachtungen / Entdeckungen (neueste zuerst)


Jährlicher Tätigkeitsbericht

 

Zusammenstellung für 2016

 


 

Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Januar 2017: Die Kornweihe ( Circus cyaneus )

Kornweihe

"Kornweihe"? Hat das was mit Erntedank oder mit einer "Fahnen"-Weihe zu tun, bei der viel hochprozentiger Korn verkonsumiert wird?

Nichts von alledem: bei der Kornweihe handelt es sich um eine attraktive Greifvogelart, die den meisten Menschen - vor allem in Süddeutschland - völlig unbekannt ist. Der Name "Kornweihe" setzt sich zusammen aus Weihe = Gattung/Unterart der Greifvögel und Korn = möglicher Nahrungs- und Brutplatz in Getreidefeldern und im Brachland.

Während die Kornweihe in Nord- und Nordostdeutschland sehr seltener Brutvogel ist und vor allem noch in Mooren und Heiden vorkommt, kann man sie in Baden-Württemberg nur als Wintergast oder im Durchzug beobachten. Es ist deshalb ein großes Glück, dass diese stark bedrohte Art zwischen November und Februar wenig zahlreich, aber regelmäßig auf den Feldern zwischen Sielmingen, Harthausen und Wolfschlugen bei der Mäusejagd zu sehen ist! Am Federsee bildet sich im Winter meist eine Schlafgemeinschaft von mehr als 30 Tieren.

Kornweihen sind etwa bussardgroß, mit relativ langen Flügeln und langem Schwanz. Wie alle Weihen erkennt man sie am bodennahen Gaukelflug mit V-förmig gehaltenen Flügeln. Während die Weibchen und die 1-jährigen Jungvögel überwiegend braun gefärbt sind, wirken die ausgewachsenen Männchen mit blaugrauer Ober- und weißer Unterseite und ihrem wendigen Flug fast möwenartig. Beide Geschlechter kann man auch an dem weithin sichtbaren weißen Bürzel bzw. Oberschwanzdecke gut erkennen.

Übrigens: In der neuen Ausgabe der "Roten Liste der Brutvögel Deutschlands 2016" ist die Kornweihe von der bisherigen Stufe 2 (stark gefährdet) in die nächsthöhere Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) hochgestuft worden - welch ein fatales Signal!

Text: E. Mayer, Foto: Artur Calmbacher "Kornweihe auf den Feldern bei Harthausen"



Februar 2017: Der Maulwurf ( Talpa europaea )

Maulwurf

Gestatten: Mein Name ist Jan-Tobias Schäuffele, die klugen und vornehmen Lateiner nennen mich Talpa europaea, die gewöhnlichen Deutschen sagen "Maulwurf" zu meinesgleichen.

Äääh: Jan- was?

Nun, meine Eltern haben mich deshalb Tobias genannt, weil das bedeutet: "Sohn eines erblindeten Vaters". Mein Vater litt schon früh an einer Sehschwäche, die wohl auf seinen jahrelangen Aufenthalt unter Tage (= Berufskrankheit) zurückzuführen ist. Unser Familienname "Schäuffele" (mit zwei "f") geht wohl auf die markanten Grabwerkzeuge zurück, mit denen wir unterirdisch tätig sind. Mit der bekannten "Grabowski"-Familie sind wir weitläufig verwandt. Meine Ur-Großmutter väterlicherseits war eine geborene Grabowski und stammte aus dem Heckengäu, wo ihr übel nachgestellt wurde; sie wanderte dann vor 17 Jahren auf die Filder aus.

Jetzt, noch im Winter, grüße ich Euch aus meinem unterirdischen Grabensystem in etwa 60 cm Tiefe. Hier unten habe ich mir ein gemütliches Nest gebuddelt und hier ist es auch im Winter erträglich warm; mein echter Wollhaar-Mantel lässt keinen kalten Luftzug an meine Haut durch. Winterschlaf mach ich nicht - man muss immer in Bewegung bleiben, und wenn sich mal nichts Habhaftes in meine Röhren und Gräben verirrt, dafür habe ich vorgesorgt: im Gang Nr. 13a (an der großen Weggabelung links halten) habe ich in einer Sackgasse einen großen Haufen von Regenwürmern als leckeren Vorrat angelegt.

Ende Februar/Anfang März, wenn es langsam wärmer wird, steige ich nach oben und ziehe um in mein Sommerquartier, das dicht unter der Grasnarbe angelegt ist. Ich freue mich schon auf ein paar fette Engerlinge und saftige Regenwürmer, die ich dort finde. Im Frühjahr suche ich mir auch eine attraktive Freundin; für die Hochzeit hab ich schon das bekannte Hotel "Am Wallgraben" gemietet. Ob ich meine letztjährige Partnerin, die samtweiche Hulda, wiederfinde?

Demnächst muss ich mein gesamtes Grabensystem überprüfen: verschüttete Gänge wieder durchgängig machen und evtl. ein paar neue anlegen. Da heißt es dann aufpassen: Sonnen-schutzbrille nicht vergessen, wenn ich aus Versehen mal ans Tageslicht komme. Überhaupt lauern dort oben meine Erzfeinde: Greifvögel, Marder, Füchse und sogar Hunde und Katzen.

Meine schlimmsten Gegner sind aber die Zweibeiner, sogenannte "Menschen". Die sind stinksauer, wenn ich mal ein bisschen Erde auf ihren Zierrasen oder ihre Futterwiese schiebe. Dann toben die und wollen mich entweder totschlagen, Fallen aufstellen oder bestialisch stinkende, dieselgetränkte Lumpen in meine Erdhügel stecken. Außerdem beschuldigen sie mich, dass ich ihre Gras-, Gemüse- und Baumwurzeln anfresse, obwohl ich doch mit Veggie-Day rein gar nichts am Hut habe und nur auf Insekten, deren Maden und Würmer aus bin. Der Gipfel ist aber, dass sie meinen seriösen Namen "Maulwurf" auch noch für so verächtliche Typen wie Verräter und Spione missbrauchen!

Text: E. Mayer, Foto: NABU / M. Delpho


März 2017: Die Waldohreule ( Asio otus )

Waldohreule

Die Waldohreule lebt - wie fast alle Eulen - sehr heimlich und versteckt. Das und ihre nächtliche Lebensweise sorgen dafür, dass sie für uns Menschen fast unsichtbar ist. Wobei der Name dieser Eulenart in zwei Punkten irritierend ist: Zum einen lebt sie nicht nur im Wald, sondern z. B. auch in Parks, auf Friedhöfen oder in großen, alten Gärten. Zum anderen sind die sichtbaren Federbüschel auf dem Kopf keine Ohren. Damit sieht sie aber wie eine kleine Version des Uhus aus. Bei diesen sog. "Federohren" der Eule handelt es sich nicht wirklich um Ohren. Diese befinden sich wie bei jeder anderen Eule auch, jeweils rechts und links des Schädels unter den Federn versteckt. Wozu aber die "Federohren" wirklich dienen, hat die scheue Eule noch nicht verraten.

Ihre Anwesenheit verrät die Eule am ehesten rufend durch ein leises, monotones "Huh". Das ist der Reviergesang des Männchens, der im zeitigen Frühjahr zu hören ist. Gesehen hat man die Eule dadurch aber noch lange nicht. Ihr gelblich braunes Gefieder mit rindenähnlicher Marmorierung und ihre Bewegungslosigkeit tarnen sie hervorragend.

Als Waldohreulenrevier kommen offene, überschaubare Gebiete wie etwa Felder, Wiesen und Niedermoore mit niedrigem Bewuchs in Frage, auf denen ein hoher Mäusebesatz als Nahrungsquelle dient. In der Nähe der Offenflächen müssen lichte Waldränder, S treuobstwiesen oder Heckenraine zu finden sein. Im Inneren von dichten Wäldern suchen wir sie vergeblich.


Sie ist gar nicht selten und in Europa weit verbreitet. Auch bei uns in Filderstadt kommen Waldohreulen an verschiedenen Standorten vor und jährlich gibt es an mehreren Stellen Nachwuchs.

Abhängig von Nahrungsangebot und der Witterung kann im März bis in den April hinein in einem ehemaligen, verlassenen Krähen- oder Elsternest gebrütet werden. Eulen bauen selber keine Nester. Bereits mit dem ersten Ei beginnen Eulen mit dem Brüten. Die weiteren Eier werden im Abstand von 1 - 2 Tagen gelegt. Nach fast einem Monat schlüpfen durchschnittlich 4 bis 6 junge Waldohreulen - im Abstand, wie die Eier gelegt wurden. So dass in einem Nest verschieden große Jungvögel anzutreffen sind. Von denen aber vielleicht nur die Hälfte das erste Lebensjahr erreicht. Für die Nahrungsbeschaffung ist das Eulenmännchen zuständig. Das Weibchen für die Betreuung der Jungvögel im Nest. Nach etwa 3 Wochen werden aus den Nestlingen sog. Ästlinge. Das bedeutet, die noch flugunfähigen Jungeulen verlassen das Nest, verteilen sich auf den umliegenden Ästen und klettern durch das Gezweig. Diese Kletteraktivitäten verlegen die kleinen Eulen meist in die Dämmerungsstunden. Mit Glück bekommt man sie dabei zu sehen. Diese Körperertüchtigung auf Eulenart ermöglicht es ihnen, nach etwa 5 Wochen eine "ausreichende" Flugfähigkeit zu trainieren.

Wer nahe am Waldrand wohnt könnte schon einmal junge Waldohreulen gehört haben. Ein hohes, klagendes Fiepen, das abwechselnd von verschiedenen Positionen ausgehend und oft die ganze Nacht in regelmäßigen Abständen von 5 bis 10 Sekunden ertönt, verrät sie. Bei diesen weithin zu hörenden Tönen handelt es sich um bettelnde Waldohreulen-Ästlinge. Sie machen so lautstark auf sich aufmerksam, damit die Elterntiere ihnen Futter zutragen.

Die außerhalb der Brutzeit eher einzelgängerische Waldohreule kann unter dem Druck harter winterlicher Verhältnisse ihre scheue Zurückhaltung aufgeben und ihr angestammtes Versteck verlassen, um auf sog. Wintersammelplätzen zuweilen mitten in einer Ortschaft aufzutauchen. Auf solchen winterlichen Tageseinständen, etwa auf Friedhöfen oder auf Alleebäumen, können dann durchaus einmal viele Waldohreulen gemeinsam zu bewundern sein.

Text: C. Simon, Foto: U. Simon "Waldohreule in der Haberschlaiheide FS-Bonlanden"


April 2017: Die Sumpfdotterblume ( Caltha palustris )

Sumpfdotterblume

Die Sumpfdotterblume blüht goldgelb, mit ca. 3-4 cm breiten Blüten. Sie gehört zu der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculacae) und wird von ca.15 bis zu 60 cm groß.

Wie der Name schon verspricht, findet man die Sumpfdotterblume an feuchten Stellen, wie Feuchtwiesen, Bach-, Fluß- oder Seeufern. Wer sich dieser Pflanze nähert um sie genauer zu betrachten, sollte also aufpassen, keine nassen Füße zu bekommen. Aber bitte nicht pflücken, denn es handelt sich um eine gesetzlich geschützte Pflanze. Im Filderstädter Gebiet (Baden-Württemberg) steht sie zwar nicht auf der roten Liste, aber erfahrungsgemäß kann sich dies rasch ändern.

Eigentlich sollte man es kaum glauben, ist uns diese Pflanze doch seit Kindertagen gut bekannt. Sie gehörte zum typischen Erscheinungsbild von Feuchtwiesen im Frühling und Sommer.

Jedoch durch vielerlei Maßnahmen, wie zum Beispiel Trockenlegung von nassen Wiesen, Begradigungen von Bachläufen und Gräben und auch derer Verdohlung werden die Lebensräume dieser Pflanze zurückgedrängt.

Eine erfreuliche Beobachtung kann z.B. in Bernhausen am Fleinsbach in der kleinen Parkanlage gemacht werden. Nach der Renaturierung hat sich hier wieder ein ansehnlicher Bestand entwickelt.

Besonders im Frühjahr, je nach Witterung erscheinen die Blüten bereits ab März und blühen dann bis Juni. Oft gibt es noch eine zweite schwächere Blüte.

Die frühe Blüte gibt der Sumpfdotterblume mit ihren leuchtend großen, gelben Blätter besondere Vorteile in der Befruchtung durch Insekten.

Sehr interessant und raffiniert ist auch die Strategie zur Vermehrung/Ausbreitung. Die Sumpfdotterblumen haben schwimmfähige Samen. Somit sind sie fähig sich an Rändern von Gewässern auszubreiten.

Sie ist als Hahnenfußgewächs schwach giftig bis giftig einzuordnen.

Text und Foto: M. Hoffmann


Mai 2017: Das bleiche Waldvögelein ( Cephalanthera damasonium )

Waldvögelein

Die Orchidee das "Weiße Waldvögelein" kommt bei uns in Süd-und Mitteldeutschland ziemlich häufig vor, besonders in lichten Laubwäldern und aufgelassenen Weinbergen , bei uns in Filderstadt z.B. beim Uhlbergturm.

Von den 3 in Mitteleuropa blühenden Arten, dem Weißen (Cephalanthera damasonium), dem Roten (Cephalanthera rubra) und dem Schwertblättrigen (Cephalanthera longifolia) ist das Weiße das Verbreitetste.

Die Pflanze wird 10-60 cm hoch und blüht reinweiß. Die 3-6 Laubblätter am Stängel werden nach oben kleiner, sind in Gegensatz zum Schwertblättrigen aber immer länger als die Blüten.

Die Blüten des Weißen Waldvögeleins sehen aus wie ein kleines Vögelchen mit ausgebreiteten Flügeln, öffnen sich nur selten und befruchten sich deshalb meist selbst (Fruchtansatz ca.80%).

Im Wald an schattigen Stellen sind sie meist einzeln, im Freien oft zu mehreren in Büscheln.

Die Blütezeit ist von Mitte Mai bis Mitte Juli, die Fruchtreife beginnt spät ab Mitte Oktober.

Der botanische Name Cephalanthera stammt aus dem griechischen Wort kephalè (Kopf) und anthèros (blühend) : das Staubblatt steht aufrecht wie ein Kopf über der Lippe.

Text G. Holl, Foto: B. Spahr "Waldvögelein am Uhlberg"


Juni 2017: Der Klatschmohn ( Papaver rhoeas )

Klatschmohn

Die Loki Schmidt Stiftung wählte den Klatschmohn zur "Blume des Jahres 2017". Mit dieser Wahl will man auf die Gefährdung und den Verlust von Ackerwildkräutern aufmerksam machen.

Der Klatschmohn gehört zusammen mit dem Kalifornischen Mohn, dem Hornmohn und dem Schöllkraut zu den Papaveraceae (Mohngewächsen). Die Blüte ist zart und empfindlich und als Blumenstrauß nicht zu empfehlen. Der Stängel enthält einen weißen Milchsaft, der schwach giftig ist. Die Fruchtkapsel beinhaltet zahlreiche kleine schwarze Samenkörner.

Der Klatschmohn benötigt stickstoffreiche, kalkhaltige Böden. Diese Voraussetzungen boten ihm bisher unsere Getreidefelder. Durch Unkrautbekämpfung und Saatgutreinigung sind die Wildkräuter weitgehend aus den Kornfeldern verschwunden. Die farbenprächtigsten unter ihnen sind: Mohn, Kornblume, Feldrittersporn und Kornrade. Unter diesen ist der Klatschmohn die am wenigsten gefährdete Pflanze. Er ist ein Überlebenskünstler, der auf Feldraine, Brachflächen, Straßenränder und Gärten ausweichen kann, so dass wir uns immer noch an den leuchtend roten Blüten erfreuen können. Die Hauptblütezeit liegt in den Monaten Mai und Juni, die Pflanze gilt jedoch als ausgesprochene Sommerblume unserer Feldflur.

Mit dem Rückgang der Ackerwildkräuter geht nicht nur ein optischer Eindruck verloren, denn die Kräuter sind Nahrungs- und Wirtspflanzen für Insekten, Spinnen und Schmetterlinge. Diese wiederum sind Nahrung für unsere Singvögel. So greift in der Natur ein Rädchen ins andere. Wenn irgendwo etwas verloren geht, hat dieses unmittelbare Auswirkungen auf Mensch und Tier.

Text und Foto: B. Spahr


Juli 2017: Die Blindschleiche ( Anguis fragilis )

Blindschleiche

Oh, eine Schlange! Diesen Ausruf hört man immer wieder. Was sich dann aber am Boden „schlängelt“, entpuppt sich in den meisten Fällen als Blindschleiche.

Der lateinische Gattungsname Anguis bedeutet zwar Schlange, die Blindschleiche ist aber eine Echse, die im Laufe der Evolution ihre Beine rückgebildet hat. Schulter- und Beckengürtel sind am Skelett noch zu erkennen. Wie die Eidechsen kann auch sie ihren, mit mehreren Sollbruchstellen versehenen, Schwanz abwerfen (fragilis, lat., zerbrechlich). Während bei den Ersteren der Schwanz wieder nachwächst, bildet sich bei der Blindschleiche nur noch ein kleiner Stummel aus.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit den Echsen sind die beweglichen Augenlider. Dadurch wirkt der Blick nicht so starr wie bei den Schlangen, die keine Lider besitzen. Blindschleichen können durchaus sehen. Der Name „Blind“ kommt von „blint“, was blenden oder schimmern bedeutet und die glänzende Färbung der Tiere beschreibt.

Das typische Züngeln dient der Aufnahme von Gerüchen. Die Duftstoffe bleiben an der Zunge hängen und werden vom sogenannten Jakobsonschen Organ, das am Gaumen sitzt, erkannt. Blindschleichen müssen zum Züngeln den Mund öffnen, was sich auch aus einigem Abstand gut erkennen lässt. Schlangen hingegen strecken die Zunge bei geschlossenem Mund durch eine Aussparung im Oberkiefer.

Die Lebensräume der Blindschleiche sind vielfältig. In der doch sehr ausgeräumten Kulturlandschaft Filderstadts kann sie dort überleben, wo noch Randstrukturen, wie Hecken, Böschungen, Steinhaufen usw. vorhanden sind. Weiter findet man sie in naturnahen Gärten und an Waldrändern.

Blindschleichen sind eher langsame Jäger. Ihre Hauptnahrung sind kleinere Nacktschnecken und Regenwürmer. Je nach Lebensraum werden aber auch Asseln, Spinnen, Insekten und deren Larven erjagt. Die Beute wird mit den kleinen Zähnchen festgehalten. Das Verschlingen kann je nach Größe der Beute minutenlang dauern. Unterwegs ist die Blindschleiche vor allem morgens und in den Abendstunden, gerne nach warmen Sommerregen.

Die Paarungszeit erstreckt sich von April bis Juni. Nach einer Tragzeit von etwa drei Monaten bringt das Weibchen meist drei bis zwölf Jungtiere zur Welt. Schon bei der Geburt, die mehrere Stunden dauern kann, befreien sich diese aus ihrer Eihülle, sind sechs bis neun Zentimeter lang und sofort selbstständig. Zumindest im Terrarium können Blindschleichen ein Alter von 20 Jahren erreichen. Im Freiland fallen jedoch viele von ihnen Greifvögeln, Krähen, Füchsen, Mardern, Wildschweinen und anderen Jägern zum Opfer. Jungtiere werden von Amseln, Kröten oder sogar großen Käfern gefressen. Im Siedlungsbereich droht zusätzlich Gefahr von Katzen und Hunden, dem Straßenverkehr und nicht zuletzt vom Rasenmäher.

Die Blindschleiche ist Reptil des Jahres 2017. Sie zählt nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den „besonders geschützten Arten“. Da 10% ihres Gesamtareals in Deutschland liegen, hat unser Land hier eine besondere Verantwortung.

Je mehr man über dieses harmlose und nützliche Tier weiß, umso eher sollte man gewillt sein, seine Lebensräume zu erhalten. Ihm Versteck- und Überwinterungsplätze zu schaffen, Bretter, Steine oder Totholz liegen zu lassen und Bereiche mit höherem Gras oder gemäßigtem Wildwuchs zu dulden, damit der nächste freudige Ausruf dann heißt:“ Oh, schau mal, eine Blindschleiche!“.

Quelle: DGHT, Reptil des Jahres 2017, Blindschleiche

Text und Foto: Birgit Förderreuther


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