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Archiv 2018


 

Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Januar 2018: Das Rebhuhn ( Perdix perdix )

Rebhuhn

Als ursprünglich osteuropäischer und asiatischer Steppenbewohner ist das Rebhuhn mit der Bewirtschaftung und landwirtschaftlichen Nutzung unserer Felder und Wiesen nach Mitteleuropa eingewandert - es ist somit auch ein traditioneller Filderbewohner auf unseren seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Allerdings: die Bestandssituation des Rebhuhns in Filderstadt und darüber hinaus in ganz Deutschland ist eine traurige und überaus dramatische Geschichte. In den letzten 50-60 Jahren hat sich der deutschland-weite Bestand um 95 % reduziert, in Baden-Württemberg ist die Art inzwischen als "vom Aussterben bedroht" in der Roten Liste eingestuft! Bei uns in Filderstadt gehen wir nur noch von 15-20 Brutrevieren aus; in den 1970er- und 1980er-Jahren wurden nach Angaben unserer Jagdpächter und Landwirte noch mehr als Brutpaare gezählt.

Wie alle Feld- und Bodenbrüter leidet das Rebhuhn vor allem unter den hohen Flächenverlusten, unter der Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft sowie unter der zunehmenden Freizeitnutzung in Feld und Flur. In unserer Boom-Region gehen Jahr für Jahr landwirtschaftliche Flächen durch Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau und Flughafen/Messe unwiederbringlich verloren. Monokulturen, Herbizid- und Pestizid-Einsatz sowie Flurbereinigungen und Feldwege-Ausbauten lassen Graswege, Böschungen, Heckensäume und Brachflächen zunehmend verschwinden. Freilaufende Hunde, gedankenlose Querfeldein-Reiter und -Fußgänger sowie Modellflieger und andere Freizeitbeschäftigungen wirken störend auf viele Wildtiere. Um dem entgegen zu wirken, wurde in Filderstadt seit 1999 ein Rebhuhnschutzprogramm aufgesetzt, an dem in vorbildlicher Weise Landwirte, Jagdverband, Stadtverwaltung und Naturschutz zusammenarbeiten. Ziel ist es dabei, Blühstreifen und mit rebhuhn-freundlicher Einsaat begrünte Flächen bereitzustellen, die dem Rebhuhn und anderem Niederwild Nahrung und Deckung verschaffen.

Das Rebhuhn als Bodenbrüter findet bei uns kaum noch störungsfreie Flächen, auf denen es im Mai/Juni sein Gelege verstecken und die 10-20 Eier ausbrüten kann. Raubfeinde sind eine ständige Gefahr; kommt dann im späteren Frühjahr noch nasskaltes Wetter hinzu, sind die erfolgreich geschlüpften Jungvögel durch Nässe und Unterkühlung bedroht. Mit bangem Blick schauen wir deshalb im Mai/Juni zum Himmel, damit der Wettergott ein Einsehen hat und die Aufzuchtperiode des Rebhuhns mit sonnigem und warmem Wetter begünstigt. Weil das erwachsene Rebhuhn lediglich eine Lebenserwartung von 2-3 Jahren besitzt, ist die Nachwuchs-Reproduktion überaus wichtig für den Gesamtbestand einer Population. Bis zum Winterbeginn bleiben die Junghühner im Familienverband, in der Zeit zwischen Mitte November bis Februar können sich mehrere Familien zu sogenannten "Ketten" zusammenschließen. Im März und April beginnt dann die Paarungs- und Balzzeit, in welcher der knarrende Revier- und Balzruf des Rebhuhns ("girr-rek") zu hören ist und die Paarbildung vollzogen wird.

Nahrung: Jungen Rebhühner benötigen eiweißreiche Insektennahrung (Larven, Puppen, Imagines), die Altvögel bevorzugen pflanzliche Kost aus Sämereien, Gras, Knospen und Blattspitzen.

Text und Foto: E. Mayer


 

Februar 2018: Der Star( Sturnus vulgaris )

Star

Der Star wurde vom Naturschutzbund (NABU) zum "Vogel des Jahres 2018" gekürt. Wie in den meisten Fällen davor soll damit auf eine Vogelart aufmerksam gemacht werden, deren Bestandsrückgang in Deutschland Anlass zu erheblicher Sorge gibt. War dieser "Star" unter den Singvögeln vor ca. 20 Jahren noch eine Allerweltsart und fast überall in Gärten, Obstwiesen, Wald- und Bachrändern weit verbreitet, so hat sich dies in den letzten Jahrzehnten stark verändert: inzwischen ist der Star auf der bundesweiten Roten Liste (2015) sogar als "gefährdet" eingestuft!

Was sind die Ursachen für die Gefährdung dieses schönen und geselligen Vogels? Man muss davon ausgehen, dass die intensivierte Landwirtschaft, verbunden mit hohem Pestizideinsatz, das Nahrungsangebot an Würmern und Insekten auch für den Star im Frühjahr/Sommer spürbar reduziert. Erschwerend kommt hinzu, dass im Herbst immer weniger natürliche Hecken mit Beerenfrüchten zur Verfügung stehen - und fallen die Stare dann in die Weinberge ein, werden sie als "Schädlinge" drastisch verfolgt bzw. vertrieben. Auch die fortschreitende Rodung alter Bäume, die mit ihren Höhlen Brutplätze für den Star bieten, trägt zum Bestandsrückgang bei.

Als Kurzstreckenzieher verbringen Stare die strengen Wintermonate zwischen November und Januar im Mittelmeerraum; nicht selten tauchen kleinere Trupps aber auch im Dezember/Januar bei uns auf, wenn die Temperaturen - wie in diesem Winter - mild bleiben. Spätestens Mitte/Ende Februar kehrt der Großteil der Starpopulationen in seine Brutgebiete zurück und lässt sich auch von späten Wintereinbrüchen kaum noch beeindrucken. Ende März/Anfang April beginnt das Brutgeschäft mit der ersten Brut in Baumhöhlen oder Nistkästen; die 4 - 6 blassblauen Eier werden in 2 Wochen ausgebrütet, der Nachwuchs wird ca. 3 Wochen lang gefüttert, bevor die Jungvögel ausfliegen und sich - gut zu erkennen an ihrem bräunlichen Gefieder - in Schwärmen herumtreiben. Nicht selten wird anschließend noch eine Zweitbrut groß gezogen.

Was ist besonders schön und faszinierend am Star?

  1. Beeindruckend ist der wunderschöne, schwätzende sowie abwechslungs- und imitationsreiche Gesang, bei dem das Männchen flügelschlagend und mit gesträubtem Gefieder seine variantenreichen Strophen in Höhlennähe vorträgt.
  2. Zur Balzzeit erscheint das Federkleid überwiegend schwarz und amsel-ähnlich; bei Sonnenschein und aus der Nähe betrachtet glänzt und schillert das Gefieder grünlich bis purpurfarben. Die Weibchen tragen im Prachtkleid helle Punkte; erst im Spätsommer erhalten die Jungstare weiße Spitzen auf ihren dunkelbraunen Federn.
  3. Faszinierend ist auch das Sozialverhalten der Stare: selten sieht man einen Star allein auf weiter Flur, stets leben die Vögel gesellig und treten in Trupps oder größeren Ansammlungen auf. Besonders beeindruckend sind die riesigen Schwärme im Herbst, wenn tausende Vögel exakte Wendungen im Schwarm ausführen ohne dass sie sich gegenseitig berühren.

Bei uns kann man Stare vor allem in unseren Streuobstwiesen beobachten. Wenn alter Baumbestand vorhanden ist, wird fast jede Buntspechthöhle früher oder später von Staren besetzt. Helfen können wir diesem "Star" unter unseren Singvögeln, indem wir ihm zusätzliche Brutmöglichkeiten in Form von Nistkästen anbieten: das Einflugloch sollte aber einen Durchmesser von ca. 4,5 cm aufweisen.

Text: E. Mayer, Foto: S. Kambor

Quelle: NABU - Der Star, Vogel des Jahres 2018


 

Besondere Beobachtungen / Entdeckungen (neueste zuerst)

 



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