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Archiv 2022


 

Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

Januar 2022:: Der Gimpel (Dompfaff) ( Pyrrhula pyrrhula )

 

Dompfaff

Jetzt - zur Winterzeit - kommt eine auffällig gefärbte Finkenart mitunter in unsere Gärten und Parkanlagen oder sogar an den heimischen Futterplatz: ein etwas gemütlich wirkender, bunt gefärbter Singvogel mit schwarzer Kopfplatte, rosaroter Vorderseite und schwarz-weißen Flügeln.

Wegen seiner auffällig roten Unterseite erinnert er an die Talare der Geistlichen und wegen der schwarzen Kopfplatte an deren Priesterkappe: das brachte ihm die naheliegende Bezeichnung als Dompfaff ein.

Weniger freundlich ist allerdings sein anderer (offizieller) Name: als Gimpel gilt - vor allem in Süddeutschland - ein tölpelhafter und einfältiger Mensch, der sich ungeschickt, aber dabei ausgesprochen stolz benimmt. Mit der Redensart: " . . . der Bräutigam war stolz wie ein Gimpel" wird diese Wesensart treffend beschrieben. Der Grund für die etwas einfältige Einschätzung des Gimpels liegt vermutlich darin, dass er aufgrund seines ruhigen Temperaments oft recht zutraulich wirkt.
Im Englischen wird der Vogel treffend als "Bullfinch" bezeichnet, womit auf seine kompakte, gedrungene Gestalt mit Stiernacken angespielt wird.

Zum Aussehen: Während wir die Männchen vor allem an der erwähnten rosaroten Vorderseite erkennen, sind die Weibchen unterseits eher beigegrau gefärbt. Beide Geschlechter besitzen einen kurzen und hohen, dicken Schnabel sowie - im Flug erkennbar - einen auffallend weißen Bürzel.

Zur Stimme: Der gut hörbare Ruf des Gimpels ist ein pfeifendes, weiches "düüh" oder "pjüh". Seltener ist der Gesang, eine Mischung aus pfeifenden, gequetschten und nasal vorgetragenen Tönen zu hören.

Zum Vorkommen: In Filderstadt gilt der Gimpel als "nicht gefährdet", ist aber keine häufige oder leicht zu entdeckende Vogelart. Als Jahresvogel bewohnt er Nadel- und Mischwälder, kommt aber auch auf der Haberschlai-Heide oder im Gartenhaus-Gebiet am Uhlberg vor. Im Winter erscheint er vermehrt an Ortsrändern, Hausgärten und an Futterplätzen.

Zur Nahrung: Hauptsächlich ernährt sich der Gimpel von Sämereien. Im Frühjahr macht er sich bei Garten- und Obstbaumbesitzern nicht gerade beliebt: die Knospen von Beerensträuchern und Obstbäumen sind dann eine begehrte Delikatesse für ihn.
Private Anekdote: Meine Mutter hasste die "blöden Dompaffen", weil sie im Frühjahr regelmäßig über ihre heiligen Johannisbeer- und Himbeersträucher herfielen. Sie verscheuchte sie dann und bewarf sie vom Küchenfenster aus mit Knallerbsen - immerhin wurde sie mit ihrer ausgefeilten Wurftechnik 90 Jahre alt.

Zur Fortpflanzung: Zwischen April und August finden 1-2 Bruten statt. Das Nest wird aus Reisig, Stängeln und Halmen in Nadelbäumen oder im Gebüsch gebaut. Das Weibchen bebrütet die 4-6 hellblauen Eier allein; nach 12-14 Tagen schlüpfen die Jungvögel, die von beiden Partnern zweieinhalb Wochen lang bis zum Ausfliegen gefüttert werden. Die Nahrung besteht anfangs überwiegend aus Blattläusen und Ameisen, später setzt sich die "Babynahrung" vor allem aus Sämereien zusammen.

Was sonst noch interessiert: Erstaunlicherweise kann man Gimpel fast das ganze Jahr über paarweise beobachten. Für ein lebenslanges Zusammenleben gibt es zwar noch keine Beweise, aber die Zweisamkeit und Paarbildung erfolgt wohl sehr früh im Jahr und ist ein typisches Verhalten dieser Vogelart, bei der größere Ansammlungen erst im Spätherbst bemerkt werden. Während der Brutzeit im Frühjahr und Sommer leben die Paare sehr heimlich und sind nur schwierig zu entdecken.

Quellen:
Einhard Bezzel: BLV Handbuch Vögel (2006)
Svensson, Mullarney und Zetterström: Der Kosmos-Vogelführer (2017)

Text: Eberhard Mayer, Foto: Artur Calmbacher


 

Februar 2022:: Der Atlantische (Salz-) Hering ( Clupea harengus )

Faschingsausgabe

 

Hering

 

Der Atlantische Hering wurde 2021 und 22 zum Fisch des Jahres gewählt. Dies soll der Grund sein, ihm in unserer Rubrik einen Artikel zu widmen.
Er zählt zu den häufigsten Fischarten überhaupt und kommt im gesamten Nordatlantik sowie in der Nord- und Ostsee vor. Er kann riesige Schwärme mit Millionen von Individuen bilden. In Filderstadt findet man ihn hauptsächlich im Supermarkt, wo er allerdings nur in jeweils mickrigen Verbänden von wenigen Exemplaren anzutreffen ist.

Die Heringe werden bis maximal 45 cm lang und halten sich tagsüber in Tiefen bis zu 350 Metern auf. Im Schutze der Nacht wandern sie zur Oberfläche, um Plankton zu fressen. Zu ihren Laichgebieten an den Küsten unternehmen sie zum Teil lange Wanderungen.
In Filderstadt ist ihr Lebensraum jedoch eher dürftig. Eingezwängt in Weißblechdosen oder Miniglasaquarien mit Schraubdeckel haben sie nicht viel Platz zum Schwimmen und wandern höchstens vom Regal in den Einkaufswagen.
So wie die Gattung der Heringe (Clupea) verschiedene Unterarten umfasst, kommt auch der Filderstädter Hering in verschiedenen Ausprägungen vor:

Sogenannte Vollheringe stehen kurz vor dem Ablaichen und besitzen daher eine Menge Rogen (Fischeier)und Milch (Samen).

Matjes fühlen sich vermutlich bei uns am wohlsten, da sie von Salzlake umgeben sind, was am ehesten ihrem natürlichen Lebensraum entspricht. Sie stehen noch vor der Fortpflanzung und sind daher frei von Milch und Rogen.

Bücklinge hatten Kontakt mit Rauch und Bratheringe mit Hitze, was den beiden als sogenannten Kaltwasserfischen nicht so behagen sollte.

Weitere andere Sorten scheinen eine Nische in Öl, Tomaten- oder Senfsauce gefunden zu haben. Inwieweit diese Umgebung zu ihrem Wohlbefinden beiträgt, mag dahingestellt sein. Da sie als Filet aber bereits ihrer Gräten beraubt sind, verhalten sie sich relativ ruhig. Trotzdem muss man beim Eindringen in ihren Lebensraum darauf gefasst sein, einen kräftigen Spritzer von der sie umgebenden Marinade abzubekommen.

Das Habitat von Bismarckheringen und Rollmöpsen, die ebenfalls in unseren Märkten vorkommen, ist durch einen relativ niedrigen pH-Wert (d.h. hohen Säuregehalt) gekennzeichnet. Vor allem während feucht-fröhlicher Tage, wie jetzt in der Faschingszeit, sind sie daher ein begehrtes Mittel gegen Katerstimmung.

Noch gehört der Hering zu den häufigsten Fischarten und ist ein wichtiger Nahrungslieferant. Viele Raubfische, Vögel, Robben und Wale sind auf ihn angewiesen.
Für den menschlichen Verzehr spielte der Hering bereits im Mittelalter eine große Rolle ("Arme-Leute-Essen") und auch heute noch ist er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Durch die Erwärmung und Überdüngung der Meere, sowie immer ergiebigere Fangmethoden wie die industrielle Schleppnetzfischerei, brechen die Bestände jedoch drastisch ein. Für weite Teile der Ostsee gilt deshalb seit 2022 ein Fangverbot.

Der Atlantische Hering kann bis zu 20 Jahre alt werden. In unseren Supermärkten allerdings erreicht er dieses Alter nicht, sondern wird aufgrund des aufgedruckten MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) vorsorglich lange vorher aus seinem Revier entfernt.

Wir als Verbraucher sollten auch immer darauf achten, was wir aus den Regalen angeln. MSC- und ASC-Siegel stehen in einigen Punkten für nachhaltigeren Fischfang, fallen aber durch manch fragwürdige Zertifizierung auf. Ökologisch sinnvoll ist es auch, des Öfteren auf Süßwasserfische wie Forelle oder Karpfen umzusteigen (möglichst mit z.B. Bioland-, Naturland- oder EU-Ökosiegel). Dann besteht die Chance, dass sich die Heringsbestände erholen können und so das Auskommen der Fischer, die wichtige Rolle des Herings im Ökosystem Ozean und auch seine Zukunft in Filderstadt gesichert wird.

Quelle:
https://www.biologie-seite.de/Biologie/Atlantischer_Hering

Text: Birgit Förderreuther, Foto: DAFV, Eric Otten


 

März 2022: Das Kugel-Hornmoos ( Notothylas orbicularis )

 

Kugel-Hornmoos

Das Kugel-Hornmoos gehört zu den 10 Moosarten in Deutschland die durch die FFH-Richtlinie besonders geschützt sind. Bisher war das Moos in Baden-Württemberg nicht bekannt. Umso erstaunlicher war der Fund dieser Art auf einem Blumenacker in Filderstadt im September letzten Jahres.

Der Standort ist nicht nur wegen des Kugel-Hornmooses von Interesse, sondern auch durch das Vorkommen vieler weiterer Ackermoos-Arten. So konnten auf einer Fläche von ca. 20 x 60 Metern insgesamt 19 Moosarten nachgewiesen werden, darunter 4 der 6 aus Deutschland bekannten Hornmoosarten. Das mit dem Kugel-Hornmoos oft vergesellschaftete Nees'sche Hornmoos (Anthoceros neesii) wurde dabei auch zum ersten Mal in Baden-Württemberg nachgewiesen.

 

Nees'sches Hornmoos

Das Kugel-Hornmoos bildet gelblichgrüne Thalli*) von etwa 0,5 - 1 cm Durchmesser. Die Sporogone sind zigarrenförmig und liegen auf dem Thallus*) und sind im Gegensatz zu den anderen Hornmoosen nicht als aufrechte "Hörner" (siehe z.B. Nees'sches Hornmoos) ausgebildet. Zudem hat das Kugel-Hornmoos charakteristische Sporenmerkmale.
*) Thallus / Thalli = Fachbegriff für den vielzelligen oder auch vielkernigen Vegetationskörper der Niederen Pflanzen

Notothylas orbicularis ist aus Deutschland nur von wenigen Stellen aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern bekannt. Historische und neuere Funde werden auch aus Polen, Tschechien, Österreich, Italien und Kroatien angegeben. Nur im hessischen Vogelsberg-Gebiet scheint die Art häufiger zu sein, was aber sicher auf die gezielte Nachsuche an geeigneten Standorten zurückzuführen ist.

 

Verbreitungskarte

Im Auftrag der LUBW wurden auch in Filderstadt weitere Flächen auf das Vorkommen des Kugel-Hornmooses untersucht. Leider wurde die Art im Stadtgebiet nicht noch einmal gefunden. Zum Zeitpunkt der Untersuchung waren aber vielversprechende Standorte zum Teil schon umgebrochen. Nichtsdestotrotz konnten mit Microbryum starckeanum und Riccia ciliata zwei weitere in Baden-Württemberg seltene Moose nachgewiesen werden.

Nach Abschluss der Tätigkeiten ergab sich allerdings ein weiterer Fund auf einem Maisacker in der Gemarkung Wolfschlugen. Vor allem der Fund auf einem intensiv bewirtschafteten Maisacker birgt Herausforderungen für geeignete Schutzmaßnahmen. Die einzige, praktikable Schutzmaßnahme ist das Hinwirken auf einen möglichst späten Umbruchzeitpunkt nach der Ernte. Das kommt dann nicht nur dem Kugel-Hornmoos, sondern auch anderen Ackermoosen zugute.

Des Weiteren hängt die Ausbildung einer reichen Ackermoosflora stark von den Witterungsverhältnissen ab. Nur wenn diese zu einer ausreichenden Bodenfeuchtigkeit führen, können sich Ackermoose gut entwickeln. In den letzten Jahren war das nur 2017 und 2021 der Fall. Sporen und vegetative Vermehrungsorgane können während der trockenen Jahre als Diasporenbank auf den Äckern überdauern, so dass die Arten in geeigneten Jahren wieder auftreten.

Auf Grund der Bodenverhältnisse und Begleitflora ist es nicht ausgeschlossen, dass das Kugel-Hornmoos noch an weiteren Stellen in und um Filderstadt zu finden ist. Dabei scheinen die Gebiete südlich der Linie Plattenhardt, Bonlanden, Harthausen und Wolfschlugen am erfolgversprechendsten. In Jahren mit einer reichen Entwicklung von Ackermoosen ist auf alle Fälle auf diese Art zu achten.

Text, Fotos und Verbreitungskarte Europa: Uwe Schwarz


 

April 2022: Die Pestwurz ( Petasites hybridus )

 

Pestwurz

Die Pestwurz ist ein Frühblüher, gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae)und ist verwandt mit dem Huflattich. Bei beiden erscheinen die Blüten vor den Blättern.

An schattigen Flußufern und feuchten Waldrändern erwachsen überall in Nord- und Mitteleuropa in zahlreichen rötlichen Blütenköpfen die Blütenstände, die nur aus Röhrenblüten bestehen, die eine dicke, eiförmige Traube bilden. Nach der Blüte entwickeln sich die riesigen, chlorophylhaltigen Blätter, im Volksmund "Wilder Rhabarber" genannt. Sie gehören zu den größten Blättern unter den Wildpflanzen. Eindrucksvoll ist das Wachstum der Blütenstände, die anfangs bis zu 30 Zentimeter hoch sind. Später wachsen sie bis zu 1 Meter hoch, sodass sie die großen Blätter überragen und frei dem Wind ausgesetzt sind, der die mit einem Haarkranz ausgestatteten kleinen Früchte davonträgt.

 

Pestwurz

Woher kommt der Name? Naheliegend vermutet man, dass es, wie in vielen Büchern angegeben, ein Heilmittel gegen die Pest war. Nun, welche Pfanze hat man nicht gegen die Pest eingesetzt? Geholfen hat wohl nichts so richtig. Eine zweite Namensgrundlage erscheint einleuchtend: "Petasitus" bedeutet lateinisch : "Reisehut", "Sonnenhut". An heissen Tagen kann man die riesigen, grünen, runden Blätter als Sonnenschutz verwenden.

 

Trotzdem ist die Pestwurz eine Heilpflanze. Verwendet wird der Wurzelstock. In der Homöopathie gilt sie als Allrounder. Auszüge und Dilutionen (Verdünnungen) der Pflanze gelten als krampflösend, schmerzlindernd und beruhigend und werden bei Krampfhusten, Kopfschmerzen, Migräne und Heuschnupfen eingesetzt.

 

Bezugnehmend auf die "Flora Stuttgart" von Prof. R. Böcker ist die Pestwurz schon vor dem 16. Jahrhundert bekannt und nach 1990 etabliert d.h. nachgewiesen und in gleichbleibender Häufigkeit im Stadtgebiet von Stuttgart vorhanden. Finden kann man die Pestwurz auch in Filderstadt z.B. am Fleinsbach und im Reichenbachtal.


Quellen:
  • Natur + Pflanzenführer von Kosmos, BLV
  • Flora Stuttgart 2017, Prof. Reinhard Böcker
  • Schmeil-Fitschen, Flora von Deutschland
  • Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Gewöhnliche_Pestwurz

Text: Brigitte Spahr, Fotos: Eberhard Mayer


 

Mai 2022: Der Wiedehopf ( Upupa epops )

 

Wiedehopf

Der Wiedehopf, diese schöne und unverwechselbare Vogelart, wurde vom NABU und seinen Mitgliedern zum Vogel des Jahres 2022 auserwählt. Leider ist er in Filderstadt sehr selten und dann nur als Durchzügler zu sehen: wir haben den prächtigen Vogel in den letzten 30 Jahren insgesamt nur 13 Mal und hauptsächlich im Frühjahr in unseren Streuobstwiesen beobachten können, wenn er einen Zwischenstopp auf der Reise in seine anspruchsvollen Brutgebiete einlegte.

Zum Aussehen: Dank seiner auffälligen, beim Landen aufgestellten Federhaube gilt der Wiedehopf als der "Punk" oder als "Indianerhäuptling" unter unseren Vogelarten. Mit seiner Körpergröße von 25-29 cm ist er (ohne Haube) zwar nur wenig größer als unsere Amsel, aber sein prächtiges Gefieder unterscheidet ihn von allen anderen einheimischen Arten. Neben der "Punkfrisur" und dem orangebraunen Federkleid fallen beim fliegenden Wiedehopf vor allem die schwarz-weißen, gerundeten Flügel und der schwarze Schwanz mit weißer Querbinde auf. Auch der 4-5 cm lange, leicht nach unten gebogene Stocherschnabel macht ihn selbst für Laien unverwechselbar.

Zur Stimme: Der gut und weit hörbare Gesang des Wiedehopfs besteht aus einem dreisilbigen und hohl klingenden "hup-hup-hup".

Zum Vorkommen: Als wärmeliebende, anspruchsvolle Vogelart kommt der Wiedehopf hauptsächlich in klimatisch begünstigten Regionen Deutschlands vor; in Baden-Württemberg gilt das Kaiserstuhl-Gebiet mit seinen Weinbergen und alten Streuobstbeständen als ein Verbreitungs-Schwerpunkt. Dort kann man ihn zwischen April und September als Sommervogel beobachten; den Rest des Jahres verbringt er als Langstreckenzieher im tropischen Afrika. Der Bestand des Wiedehopfs gilt in Deutschland als "gefährdet"; nach vielen, von Bestandsabnahmen geprägten Jahren ist seit 2019 wieder ein etwas hoffnungsvollerer Aufwärtstrend erkennbar.

Wichtig: neben einem ausreichenden Nahrungsangebot sind vor allem geeignete Bruthöhlen notwendig!

Zur Nahrung: Hauptsächlich ernährt sich der Wiedehopf von Insekten und deren Larven, sowie von Würmern und Spinnen, welche er am Boden aufsucht. Dabei bevorzugt er offene und kurzrasige Flächen, die nicht intensiv genutzt werden (also keine Sportanlagen und Zierrasen mit zweimaliger wöchentlicher Mahd).

Zur Fortpflanzung: Natürlicherweise brütet der Wiedehopf in den Höhlen alter Bäume, in Gemäuern und sogar in Erdlöchern. Weil diese Brutangebote aber immer seltener zur Verfügung stehen, kann man ihm mit geeigneten Bruthöhlen (Nistkästen oder Niströhren, Einflugloch ca. 52 mm Durchmesser) helfen. Das Wiedehopf-Gelege besteht aus 6-10 Eiern; nach einer Brutdauer von 16-19 Tagen schlüpfen die Jungen, die von den Altvögeln ca. 25-30 Tage lang bis zum Ausflug (und noch weitere 5 Tage danach) gefüttert werden.

Was sonst noch interessiert: Im Gegensatz zum schönen Aussehen des Vogels ist die Redewendung "du stinkst wie ein Wiedehopf" nicht als Kompliment gedacht. Da die jungen Hopfe ihre Nestfeinde mit einem aufdringlich riechenden Sekret vertreiben, wirkt dieser Geruch - vornehm ausgedrückt - für menschliche und auch tierische Nasen äußerst unangenehm nach.

Quellen:
www.nabu.de: Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022
Svensson, Mullarney und Zetterström: Der Kosmos-Vogelführer (2017)

Text: Eberhard Mayer, Foto: Frank Derer


 

Juni 2022: Karthäuser Nelke ( Dianthus carthusianorum )

 

Karthäuser Nelke

Wer Mitte Mai bis etwa September auf Filderstädter Gemarkung durch den Altenheimpark St. Vinzenz oder die Hanglagen im Bechtenrain läuft, kann einer imposanten leuchtend rot gefärbten Pflanze begegnen, der süß duftenden Karthäuser Nelke.

Sie wiegt sich in bis zu 50 cm Höhe im Wind, ist kahl und hat schmale, lanzettliche 2-4mm breite Blätter, die am Grunde verwachsen sind. Das Köpfchen besteht markant aus bis zu 10 Knospen, die nacheinander aufblühen: Der röhrige Kelch weitet sich platt abgespreizt in 5 purpurrote und noch dunkler geaderte Blütenblätter, die vorne gezackt und (Unterscheidungsmerkmal!) dreieckig sind mit einem Durchmesser von etwa 2cm. Unter den Blüten befindet sich ein bräunlicher, trockenhäutiger Kelch. Typisch für Nelken entstehen aus den befruchteten Blüten Kapselfrüchte mit vielen feinen Samen. Durch diesen Blütenaufbau ist sie bei Tagfaltern sehr beliebt: aufrecht gestellt, eng gebaute Röhre und tief verborgener Nektar.

Die Karthäuser Nelke liebt sonnige, warme Hänge auf Kalk- und Silikat-Trockenrasen und ist auch in Gräben, an Wegböschungen und Waldrändern zu finden. Sie ist geschützt und durch den Rückgang extensiver Schafweiden stark gefährdet. "Fette" Wiesen behagen ihr nicht, dort ist zu viel Stickstoff enthalten. In Baden-Württemberg ist sie hauptsächlich im Oberrhein- und Muschelkalkgebiet zu finden sowie auf der Schwäbischen Alb.

Schon früh wurde die Karthäuser Nelke als Heilpflanze in Klostergärten kultiviert, woher sie vermutlich ihren Namen hat. Das Kauen der Blüten soll u.a. Zahnschmerzen lindern, jedoch ist der Gehalt der darin enthaltenen Saponine und Eugenol in Gewürznelken ein Vielfaches höher, deshalb: Stehen lassen!

Es spricht viel dafür, sie in unseren Gärten zu kultivieren, da sie ein einheimisches Gewächs und dort anspruchlos ist. Also gut geeignet für Steingärten, Dachbegrünungen und Blumenbeete. Sie benötigt lediglich einen kalkigen, sonnigen, nährstoffarmen, trockenen Bereich, vermehrt sich leicht selber aus Samen, ist winterhart, eine haltbare Schnittblume, Heilpflanze, Pollenlieferant für Wildbienen und Futterquelle für Schmetterlinge. Viel Freude damit!

Text: Marion Schacke-Schreiber, Foto: Hartmut Spahr


 


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